S2-19SM

Fragment 19

Abschiede

Die Entlassungszeremonie war auf Wunsch der Crew klein gehalten worden. Neben einigen hohen Tieren aus der Politik und der WSA hatte man Lees Eltern eingeladen und auch eine kleine Abordnung der Union, welche von dem Botschafter Atras Hydarnes angeführt wurde.
Mike und Lee hatte man eigens für die Zeremonie neue Astro-Overalls anfertigen lassen, während Alia in ihrer grauen Uniform zwischen den Beiden saß.
Sowohl Hofer als auch Hydarnes hielten eine kleine Rede auf die Crew und man gedachte mit einer Schweigeminute Arthur Jones. Damit war der offizielle Teil abgeschlossen. Der Vorsitzende der WSA hatte die Drei angehalten, zumindest noch eine Zeitlang Smalltalk zu betreiben und nicht gleich wieder zu verschwinden.
»Miss Thuis, ich hoffe, dass wir Sie bald auf Babel begrüßen dürfen.« Dr. Andrew Winters, einer der leitenden Physiker kam auf die Gruppe zu.
»Dr. Winters …« Lee lächelte den Mann an. »Es wird noch etwas dauern, aber ich freue mich schon jetzt auf die neuen Aufgaben.« Man hatte ihr angeboten, ihre Forschungen weiter auf der Raumstation fortsetzen zu können, nachdem sie ihr Reha-Programm abgeschlossen hatte. Nach der Feier würde sie für einige Monate in Buenos Aires bei ihrer Familie leben, ehe sie ihre Stelle auf Babel antrat.

***

Mike und Alia hatten sich etwas von den anderen Anwesenden separiert und unterhielten sich, bis Botschafter Hydarnes auf beide zukam. »Major, ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Beförderung.« Der Abgesandte der interstellaren Union gab sich größte Mühe, in allen Punkten dem Protokoll zu entsprechen.
»Danke«, war die wortkarge Antwort von Alia. Mike schaute sie kritisch von der Seite an. Seit ein paar Wochen ging es ihr nicht gut. Die Ermittlung zu Arthurs Tod hatte sie mehr mitgenommen, als sie alle gedacht hatten. Sie war blass und wirkte oft geistig abwesend.
»Haben Sie schon über das Angebot Ihres Vorsitzenden nachdenken können, Major? Der Mazan und ganz besonders ich würden eine positive Entscheidung sehr begrüßen.«
»Ich habe mich damit noch nicht auseinandergesetzt, Botschafter.« Die WSA und die interstellare Union hatten sich dafür ausgesprochen, dass Alia als eine Art Verbindungsoffizier zwischen der Erde und der Union agieren sollte, unter der Schirmherrschaft der WSA. Dazu musste sie allerdings erst Zivilistin sein. »Es sind aber bereits Gespräche mit meinen Vorgesetzten und dem Stabschef anberaumt. Ich werde deswegen heute Abend noch nach Kairo reisen.«
Der Botschafter nickte und beließ es dabei. Alia war froh, dass der Mann nicht weiterbohrte. Doch dafür übernahm Mike jetzt diesen Part.
»Du willst die Armee nicht verlassen?« Er schien überrascht. Zudem wusste er nur, dass man Alia eine Position bei der WSA angeboten hatte, aber nicht welche.
»Ich weiß nicht, ob sie mich gehen lassen. Du weißt, dass ich mich damals für fünfzehn Jahre verpflichtet hatte. Davon sind noch vier Jahre abzuleisten«, fuhr sie ihn gereizter, als sie wollte, an. »Deswegen fliege ich auch heute Abend zurück.«
»Ich wollte keine Diskussion mit meiner Frage auslösen«, versuchte Hydarnes die Situation zu entschärfen. »Und Sie nicht in Bedrängnis bringen, Alia.«
»Das haben Sie nicht. Doktor Barnetti hat nur vergessen, dass er nicht mehr länger der Missionskommandant ist.« Damit drehte sie sich auf dem Absatz um und ließ die beiden allein.
Mike sah ihr nach und bemerkte, dass sie den Empfang verlassen wollte, doch von Hofer kurz vor dem Ausgang abgefangen und in ein erneutes Gespräch verwickelt wurde. Höflich blieb er bei dem Botschafter und führte eine Weile Smalltalk mit ihm und Lees Eltern, die sich zu ihnen gesellten. Es waren nette und aufgeschlossene Menschen. Lee würde es guttun, eine Zeitlang bei ihnen zu bleiben.

Schließlich leerte sich der Empfangsraum, Hofer war vor einer halben Stunde gegangen und Mike beschloss, nun zu gehen. Auf dem Flur standen Alia und Lee, die sich vertraut unterhielten, bis Lee Alia umarmte, ehe sie ging.
Mike wollte nach dem Disput nochmal mit Alia sprechen und trat auf sie zu. Kurz bevor er sie erreichte, klingelte ihr PortCom.
»Nein, ich brauche kein Hotel. Ich werde auf dem Stützpunkt übernachten. Danke der Nachfrage, Herr Dumont«, hörte Mike sie sagen, als er bei ihr stand.
»Alia, ich wollte nochmal mit dir reden, bevor du abfliegst. Das vorhin war …«
»Hör zu, Mike, ich werde in etwa einer Woche wieder in Genf sein. Dann weiß ich mehr.« Alia wehrte ab und Mike wurde sich bewusst, dass sie sich im Augenblick nicht mit all dem auseinandersetzen wollte. »Ich muss hier weg, um einen klaren Gedanken fassen zu können.«
»Ich verstehe das. Aber…« Er wollte nach ihrer Hand greifen, doch Alia zog sie weg, sodass Mike ins Leere griff. »…wenn ich dir helfen kann, melde dich bitte sofort.« Er gab ihr einen Chip mit seinen persönlichen Kontaktdaten.
»Das werde ich, danke.«
»Major Scott?« Eine junge Frau in einem schwarzen Hosenanzug kam auf sie zu. »Ihr Gleiter ist da und kann sie zum Flughafen bringen.«
Alia nickte. »Mike, wir sehen uns.«

***6 Tage später***

»Entschuldigen Sie, Mr. Dumont!« Mike lief hinter einem jungen Mann her, der daraufhin auf ihn wartete. »Können Sie mir sagen, wann Major Scott wieder in Genf erwartet wird?« Mike wusste, dass der Mann alles für ihre Gruppe organisiert hatte, was es zu organisieren gab.
Nachdem es Alia nicht einmal für nötig gehalten hatte, sich bei ihm zu melden und ihm Bescheid zu geben, musste er sich selbst die Informationen besorgen.
Er war als letztes Crewmitglied noch in Genf. Lee hatte gestern mit ihren Eltern die Stadt in Richtung Südamerika verlassen.
»Oh ich fürchte, da muss ich Sie enttäuschen, Dr. Barnetti. Ich habe für Major Scott keinen Rückflug gebucht. Der Major wurde dauerhaft in Luxor stationiert.«, erklärte er nach einem Blick in seine Aufzeichnungen.
»Bitte was? Wer hat denn so was veranlasst?« Mike war fassungslos. Hatten diese verbohrten Militärs wirklich darauf bestanden, dass Alia ihre Jahre ableistete? Damit legten sie ihr riesige Steine in den Karriereweg.
»Der Major, Doktor Barnetti. Sie selbst hatte um zeitnahe Versetzung gebeten.« Niko Dumont zögerte bei der Antwort, ihm war bewusst, dass er etwas sagte, was Barnetti nicht gefiel.
»Der Major hat um diese Versetzung gebeten?« Mike wiederholte ungläubig die Worte des jungen Mannes. »Sind Sie da wirklich sicher?«
»Ja, sehr sicher.«
»Vielen Dank!« Noch während er es aussprach, hatte er sein PortCom in der Hand und suchte nach Alias Nummer.
»Zur Zeit ist dieser Anschluss nicht vergeben, bitte kontaktieren Sie Ihren Anbieter…«, hörte Mike ein automatische Ansage.
»Haben Sie noch eine andere Kontaktnummer von Major Scott?« Mike schaute Dumont verzweifelt an. Wieso war Alia gegangen, ohne ihm ein Wort zu sagen? Wieso meldete sie sich nicht bei ihm?
»Ja, wir können den Major über den Stützpunkt kontaktieren, aber ich bin nicht befugt, Ihnen die Kontaktdaten zur Verfügung zu stellen, Doktor Barnetti.«
»Dann seien Sie bitte so nett und übermitteln ihr meine Kontaktdaten und sie soll mich anrufen, sobald sie Zeit findet.« Mike musste sich zusammenreißen, dass er den jungen Mann nicht bei den Schultern nahm und schüttelte, bis er ihm die gewünschten Informationen gab. Als Dumont nickte, bedankte sich Mike und ging in sein provisorisches Quartier. Sicher würde sie sich melden. Bald.

Fragment_08_

Fragment 8

Fragment 08 – Im Wassertank

Der Schwenkarm bewegte sich langsam. Mike sah, wie Arthur damit kämpfte, die Bewegungen im Wassertank zu koordinieren. Es war für alle ungewohnt, in einem Becken voller Wasser die Schwerelosigkeit im Weltall zu simulieren und sich innerhalb der Raumanzüge auf die verfälschten Aktivitäten einzustellen. Das betraf sowohl die eigenen, als auch jene Bewegungen der Werkzeuge.
Als Arthur vorhin wütend die Mensa verlassen hatte, ging Mike danach nochmal zu ihm, um das Thema aus der Welt zu schaffen. Ihn Arjay zu nennen war sicher nicht die beste Entscheidung gewesen, aber letztlich hatten sie sich alle darauf geeinigt, sich mit ihren Spitznamen anzureden. Mike, Lee, sogar Alia und … Arthur blieb Arthur. Wohl auch, weil es den anderen eher albern vorkam, ihn, wie er es selbst manchmal scherzhaft tat, „King Arthur“ zu nennen.
Alia hingegen hatte große Schwierigkeiten damit, sich mit den Spitznamen anzufreunden. Umso angenehmer empfand es Mike, dass sie ihre abweisende Haltung etwas lockerte und den Anderen erlaubte, sie „Alia“ zu nennen.
„Pass auf, Arthur! Der Arm kracht gleich gegen das Modul und dann müssen wir von vorne…“
Zu spät. Es war schwer, die Aktivität einzuschätzen, und das Wasser erhöhte den Schwierigkeitsgrad enorm. Was selten bedacht wurde, war die Tatsache, dass die Mobilität zwar ähnlich langsam wie in der Schwerelosigkeit war, aber sobald sich etwas erst einmal in Bewegung gesetzt hatte, sorgte die Wellenbewegung des Wassers dafür, dass jede Aktivität schwieriger abzubremsen war.
„Verdammt nochmal!“, hörte er Arthur durch den Funk im Helm. „Dieser Schwenkarm macht nicht das, was er soll.“
„Für einen Astroingenieur stellst du dich extrem ungeschickt an, Jones.“ Das war Alia, die auf der anderen Seite des Beckens ebenfalls im Raumanzug unter Wasser wartete, bis sie an der Reihe war. Der Captain hatte es perfektioniert, die Leute zu sticheln und zu triezen.
„Alia“, warf Mike jetzt ein. „Lass es gut sein. Wir versuchen das Ganze nochmal. Es wird schon noch klappen.“
Lee stimmte mit ein. „Das denke ich auch. Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir das Ganze immer und immer wieder üben. Solange bis es funktioniert.“
„Natürlich. Ihr müsst das auf jeden Fall noch einige Male üben.“
Irrte sich Mike, oder hatte Alia das Wort „Ihr“ auffallend betont? Es war vermutlich besser, nicht weiter darauf einzugehen.
„Also los, alles auf Null. Wir versuchen es nochmal“, rief er stattdessen alle wieder zur Aufmerksamkeit auf. „Schwenkarm auf Ausgangsposition, Modul 3 bereitstellen.“ Die Luft in seinem Helm roch verbraucht. Aber das kümmerte ihn in diesem Moment nicht. „Einen Durchgang noch, dann werten wir diese Übung aus und beenden das Training für heute.“
„Einverstanden“, antworteten Lee, Alia und Arthur einstimmig.

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