S2-25sm

Fragment 25

Eine neue Stadt


Es war nicht gerade das, was Lee sich vor Jahren in der Feldforschung vorgestellt hatte, doch nach den vergangenen zwölf Monaten war dies genau das Richtige für sie. An diesem Ort.
Babel bot alle Möglichkeiten, die man sich nur wünschen konnte. Eine nahezu autarke Stadt im Weltall und dazu fast unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten, da das Prestigeprojekt des Schiffbaus der interstellaren Union und allen Erdregierungen mit enormen Zuschüssen gefördert wurde. Sogar die Marsregierung hatte es sich nicht nehmen lassen, einen Teil der Kosten zu tragen. Zudem wurden die Bauarbeiten an der neuen Schiffswerft abgeschlossen, und dem Bau der ersten beiden Forschungsfregatten in den kommenden Monaten stand nichts mehr im Weg. Immer mehr Menschen kamen zum Arbeiten und Forschen nach Babel.
„Wenn ich noch etwas für Sie tun kann, Misses Thuis, lassen Sie es mich wissen.“ Der Mann lächelte Lee freundlich an, gerade waren sie mit ihrer Projektbesprechung fertig geworden.
„Bitte nennen Sie mich Lee, Dr. Summers.“ Dabei unterließ sie es aber, ihn darüber aufzuklären, dass sie nicht verheiratet war.
„Gerne, dann darf ich Sie aber auch bitten, mich Andrew zu nennen.“ Lee nickte und freute sich. Dr. Summers war der Leiter des großangelegten Forschungsprojekts zur Vermessung der kleinteiligen Weltraumtrümmerpopulation auf der Transitstrecke zwischen Erde und Mars.
Lee hatte das Projekt dank ihres entwickelten Lasermessverfahrens schon ein gutes Stück vorwärtsbringen können. Sollte es so weitergehen, würde die dabei genutzte Vektorpeilung in die Steuerungssoftware der Schiffe übernommen werden. Jedoch lag das noch in weiter Ferne. Die Bauzeit der Schiffe war auf acht Jahre kalkuliert worden und Lee glaubte, dass man dabei noch sehr optimistisch gewesen war. Sie hatte während ihrer Reise auf dem Unionsschiff gelegentlich einen Blick auf die verschiedenen technischen Errungenschaften erhaschen können. Auch wenn sie nicht so sprachbegabt wie Alia war, wusste sie, dass man nicht ohne weiteres Erd- und Unionstechnologie kombinieren würde können.
„Aber sicher, Andrew.“, sagte Lee. Es war für sie ein kleines Wunder, dass sie sich mit Summers alleine in einem Raum aufhalten konnte, ohne dass sie in Angstschweiß ausbrach. Dennoch presste sie ihre Aufzeichnungen mit verschränkten Armen vor ihren Oberkörper wie einen Schutzpanzer.
„Sie scheinen keinerlei Schwierigkeiten damit zu haben, im Weltall zu leben, Miss … ich meine Lee. Aber sicher sind Sie nach so vielen Jahren auf Ihrer Reise daran gewöhnt.“ Lee wusste den Versuch zu schätzen, dass er Small Talk mit ihr halten wollte. Sie war noch nicht lange auf Babel und hatte bisher nur wenig Kontakt mit ihren Kollegen. Andrew war ein sympathischer Mensch und durchaus attraktiv, wenn auch vielleicht mit fast zwei Metern Körpergröße etwas groß. Lee musste immer zu ihm hochschauen.
„Ja, auch wenn ich Ihnen gestehen muss, dass ich den Großteil nicht miterlebt habe. Die meiste Zeit habe ich mich in Stasis befunden.“
„Naja, jedenfalls solange, bis Sie ein feindliches Schiff lahmgelegt haben, wenn man der Presse glauben will. Ich muss Ihnen gestehen, dass ich Ihre Geschichte sehr aufmerksam verfolgt habe. Ein richtiges Abenteuer!“ Andrew schaute sie mit großen Augen an und wartete wohl darauf, dass sie begann von ihrem ‚Abenteuer‘ zu erzählen.
„Ja…es war…es war sehr aufregend.“ Es war die Hölle gewesen. Nichts würde Lee lieber tun, als diese Reise für immer zu vergessen. „Babel und meine neuen Aufgaben stehen dem aber in Überhaupt nichts nach. Ich meine, immerhin ist letzte Woche fast ein Labor in die Luft geflogen!“ Ihre Stimme war hoch geworden, wie früher, wenn sie etwas spannend oder interessant fand.
„Oh ja. Wenn Sie ein Problem mit Explosionen haben, sollten Sie sich besser von gewissen Kollegen fern halten. Mache haben wirklich ein Händchen dafür, die Sicherheitsvorkehrungen der Station auszutesten.“ Beide lachten über den kleinen Scherz und Lee war froh, dass Andrew den Wink mit dem Themenwechsel verstanden hatte.
„Ich möchte nicht in der Haut des Stationskommandanten stecken.“ Lee hatte den Commander und den Kommandostab bei ihrer Ankunft vor ein paar Wochen kennengelernt.
„Ich auch nicht“, wieder lachte ihr Projektleiter. „Wie steht es mit Ihnen Lee? Ich könnte eine Tasse Tee vertragen.“
Lee wurde schlagartig übel. Unvermittelt schossen ihr Erinnerungen in Ihre Gedanken, die sie lange Zeit erfolgreich verdrängt hatte. „Danke, aber ich trinke keinen Tee“ Sie presste die Unterlagen noch fester an ihren Körper.
„Ich bin mir sicher, dass es auch Kaffee gibt. Oder trinken Sie auch keinen Kaffee?“ Andrew musterte sie von oben bis unten, was Lee noch nervöser werden ließ. Unbewusst ging sie einen Schritt nach hinten, um den Abstand zwischen Ihnen zu vergrößern. Zwar fühlte sie sich einerseits von der Einladung geschmeichelt und ein Teil von Ihr wollte ihm unbedingt näher kommen, doch allein der Gedanke an Nähe und körperliche Anziehung verursachte ihr ein nahezu unbeschreibliches Unbehagen, dem sie sich in diesem Moment nicht entziehen konnte. Es machte sie wütend und traurig zugleich, denn sie wusste, dass dies im Grunde nichts mit dem Mann zu tun hatte, der ihr auf sehr freundliche Weise ein Date angeboten hatte.
„Doch…doch, sicher. Aber leider, habe ich jetzt keine Zeit mehr.“ Lee ging zielstrebig in Richtung Tür, achtete aber sehr genau darauf, Andrew nicht näher zu kommen. „Vielleicht in ein anderes Mal“
„Lee, bitte warten Sie. Ich wollte Ihnen nicht zu nahetreten.“ Er ging einen Schritt auf sie zu, was sie nun panisch werden ließ. „Geht es Ihnen gut?“
„Andrew, bitte bleiben Sie da stehen, wo Sie sind.“ Lee zwang sich, ruhiger zu atmen. „Ich danke Ihnen für die Einladung, aber wie ich bereits sagte, vielleicht ein anderes Mal“ Lee wartete seine Antwort nicht mehr ab und verließ schnellen Schrittes den Besprechungsraum. Kaum war sie um die nächste Ecke gebogen, blieb Lee stehen und starrte auf ihre zitternden Hände. Und zum ersten Mal stieg neben der Angst auch Hass auf den Mann auf, der dafür verantwortlich war und dessen Gesicht sie wohl nie wieder vergessen würde. Kardas.

S2-23sm

Fragment 23

Die Sitzung dauerte bereits den halben Tag und nahm kein Ende. Regularien über die Versorgung der Barrafranca, Zugänge zu den Ressourcen von Erde und Mars, Datennutzungsvereinbarungen, Instandsetzungsslots auf der Raumstation Babel. Die Liste der zu regelnden Aufgabenstellungen war endlos. Und würde es nur um solche administrativen Angelegenheiten gehen, hätte Mazan Taisod das Feld ohne mit der Wimper zu zucken seinem diplomatischen Attaché Atras Hydarnes überlassen. Doch der nächste Punkt auf der Tagesordnung war zu wichtig, um nicht selbst an dieser Kommissionssitzung teilzunehmen.
Just in diesem Moment eröffnete der Vorsitzende des Regierungsrates der Erde, James R. Young, den lang erwarteten Tagesordnungspunkt.
„Kommen wir zum Tagesordnungspunkt 137. Proxima Centauri b.“ Er legte eine kurze Kunstpause ein. „Den Berichten der Crew der Voyager nach, ist dieser Planet entgegen unserer Erwartungen als toter Planet zu registrieren. Die Auswertungsdaten haben ergeben, dass die Planetenatmosphäre mit einem als extrem zu bezeichnenden Säuregehalt aufwartet. Aufgrund der gefährlichen Situation, in der sich die Voyager befand, war es nicht möglich, nähere Untersuchungen zu betreiben. Dennoch wurde von der Voyager festgestellt, dass es auf Proxima Centauri b Überreste einer Zivilisation gibt. Die Vermutung liegt nahe, dass dieser Säuregehalt die Ursache für die Auslöschung jeglichen Lebens auf besagtem Planeten ist. Hinzu kommt die ungewöhnliche Situation, dass der Planet von einem Netz von Überwachungssatelliten kontrolliert wurde die jegliche Flucht von dort unmöglich machen sollten. Nur aufgrund des tragischen Ablebens des Besatzungsmitglieds Arthur Jones war es der Voyager möglich, aus dieser Lage zu entfliehen.
Heute wollen wir die Hintergründe dieser eben festgestellten Sachlage erörtern. Dazu haben wir Mazan Taisod als Vertreter der Union freier Planeten eingeladen. Ich erteile Ihnen hiermit das Wort, Mazan. Bitte erläutern Sie uns die Umstände, wie es überhaupt zu dieser verheerenden Situation auf dem Planeten gekommen ist.“
Mazan Taisod schluckte einen Kloß herunter. Der Moment war gekommen. Er erhob sich von seinem Platz und schritt zum Rednerpult. Neben den Regierungsvertretern der Erde waren hohe Staatsbedienstete, Wissenschaftler, führende Wirtschaftsvertreter und auch eine Delegation vom Mars anwesend. Insgesamt etwa fünfzig Menschen. Überschaubar, aber dennoch mit einer fast schon spürbaren Erwartung, welche Informationen er ihnen heute preisgeben mochte.
„Verehrte Damen und Herren, die Lage dieses Planeten ist Ihnen allen hinlänglich bekannt und ich habe großes Verständnis dafür, dass Sie über die Umstände informiert werden wollen, die dazu geführt haben.“ Er holte tief Luft, was jetzt folgen sollte, würde Ihnen allen nicht gefallen, das wusste er. „In Vorbereitung für die Kommissionssitzung habe ich Rücksprache mit meinen Vorgesetzten gehalten. Wie Sie wissen, dauert ein Informationsaustausch aufgrund der Entfernung zum Planeten Sirius III mehrere Monate, was die Angelegenheit etwas verzögert.
Nunmehr wurde ich aber dazu ermächtigt, Ihnen folgende Mitteilung zu machen.“ Noch einmal blickte er auf und sah in die gespannten Gesichter der Anwesenden. Dann öffnete er die entsprechende Datei auf dem im Rednerpult eingesetzten Bildschirm und las den Text vor.
„Sehr geehrte Delegation von Erde und Mars. Der Rat der Union freier Planeten möchte erneut sein tiefes Mitgefühl für den Verlust des Erdmenschen Arthur Jones ausdrücken und versteht Ihr Interesse an den Hintergründen um die Situation von Proxima Centauri b vollumfänglich.
Ihre Mannschaft der Voyager ist bedauerlicherweise in einen interstellaren Konflikt geraten, der seit Generationen andauert. Auch, wenn wir diesen Konflikt nicht entfacht haben, so möchten wir ihn so human wie irgend möglich beenden. Diesem Wunsch steht jedoch die interstellare Konföderation entgegen, deren Verhörmethoden Ihre Mannschaft zu unserem Bedauern am eigenen Leibe erfahren musste.
Die Katastrophe, die vor vielen Jahrhunderten auf Proxima Centauri b geschah, wird als streng vertrauliche militärische Information gehandhabt. Sowohl die Konföderation als auch unsere Regierung behandeln diesen Sektor als Sperrzone. Schiffe, die sich in diesem Gebiet befinden sind umgehend aufzubringen und deren Besatzung einer ausführlichen Befragung zuzuführen. Dass wir die Mannschaft der Voyager stattdessen zurück zur Erde brachten, resultierte einzig auf unsere Erkenntnis, dass hier Menschen aus einem fremden System in die Auswirkungen dieses Konflikts geraten sind. Die Erde und ihre Bewohner sind nach unserer Überzeugung zu schützen. Dieser Schutz schließt jedoch auch die Notwendigkeit ein, dass wir Ihnen keine streng vertraulichen Informationen zukommen lassen werden, die das Wohl der Erde oder die Sicherheit der Union freier Planeten gefährden können.
Wir können Ihnen lediglich mitteilen, dass vor mehreren hundert Jahren eine schwere Katastrophe auf diesem Planeten auftrat, welche irreversibel war und unbedingt eingedämmt werden musste.
Wir hoffen auf Ihr Verständnis und bieten unsere Unterstützung in vielen Gebieten an, die Ihnen in sozialen, wirtschaftlichen, medizinischen und technischen Belangen von großem Nutzen sein werden.
Unterzeichnet vom Rat der Union freier Planeten.“
Er sah erneut auf und erntete fragende und ungläubige Blicke. Genau vor dieser Situation wollte er Hydarnes schützen. Sollte er ihren Ärger abbekommen, so war sein Diplomat etwas abseits und konnte die weiteren Verhandlungen führen.
„Das ist nicht Ihr Ernst!“, beschwerte sich Hermann Zettler als Erster. „Da wird ein globaler Tod verursacht und Sie wollen uns mit den Argumenten einer militärische Sperrzone abspeisen?“
Präsidentin Callao gab dem Nordamerikaner jedoch Contra, noch bevor Taisod etwas erwidern konnte. „Als ob Ihre Regierung das jemals anders gemacht hat. Gerade von Ihnen hätte ich mehr Verständnis erwartet. Darf ich an die uralte Geschichte erinnern, die den Namen Roswell trägt?“
„Das ist etwas völlig anderes. Wir sind schließlich Amerikaner!“
Taisod lauschte dem Streitgespräch verwundert. Offenbar gab es auf der Erde selbst noch ausreichend Konflikte, die nicht aufgearbeitet waren. Es schien ihm an ein Wunder zu grenzen, dass es diesen Menschen überhaupt gelungen war, eine Mission wie die der Voyager gemeinsam auf die Beine zu stellen.
Nur einen Moment später brachte der Vorsitzende Young wieder Ruhe in die Kommissionssitzung und wandte sich dann erneut an Mazan Taisod. „Selbstverständlich kennen wir die Bedeutung von Geheimhaltungspflichten, verehrter Mazan. Aber bitte verstehen Sie, dass wir mit dieser Antwort nicht zufrieden sind. Immerhin sind wir durch unsere Entdeckung Ihrerseits, als auch durch die Konföderation in einen Konflikt geraten, der unsere Möglichkeiten bei weitem übersteigt. Sollte eines Tages die Konföderation den Weg zu uns finden, wer sagt uns denn, dass die Erde nicht ein ähnliches Schicksal ereilt, wie es mit Proxima Centauri b geschah?“
„Zumindest kann ich Ihnen versichern, dass die Konföderation bislang keine Anzeichen gezeigt hat, dass Sie die Position der Erde kennen. Unseren Informanten zufolge, konnte der Datenoverkill, den Captain Scott von der Voyager aus verursacht hatte, bislang nicht entschlüsselt werden. Unseres Wissens nach wurde der Prendal des Konföderationsschiffes sogar für sein Versagen als kommandierender Offizier bestraft und Inquisitor Kardas einem anderen Schiff zugeteilt. Sein Aufenthalt ist uns zur Zeit zwar unbekannt, die Wahrscheinlichkeit, dass die Konföderation der Sache weitere Beachtung schenkt ist jedoch als unwahrscheinlich einzustufen.
„Was macht Sie denn da so sicher?“, wollte Zettler wissen.
Taisod sah ihn direkt an. „Glauben Sie mir – Sie würden es wissen, wenn die Konföderation Ihren Standort herausgefunden hätte.“

S2-19SM

Fragment 19

Abschiede

Die Entlassungszeremonie war auf Wunsch der Crew klein gehalten worden. Neben einigen hohen Tieren aus der Politik und der WSA hatte man Lees Eltern eingeladen und auch eine kleine Abordnung der Union, welche von dem Botschafter Atras Hydarnes angeführt wurde.
Mike und Lee hatte man eigens für die Zeremonie neue Astro-Overalls anfertigen lassen, während Alia in ihrer grauen Uniform zwischen den Beiden saß.
Sowohl Hofer als auch Hydarnes hielten eine kleine Rede auf die Crew und man gedachte mit einer Schweigeminute Arthur Jones. Damit war der offizielle Teil abgeschlossen. Der Vorsitzende der WSA hatte die Drei angehalten, zumindest noch eine Zeitlang Smalltalk zu betreiben und nicht gleich wieder zu verschwinden.
»Miss Thuis, ich hoffe, dass wir Sie bald auf Babel begrüßen dürfen.« Dr. Andrew Winters, einer der leitenden Physiker kam auf die Gruppe zu.
»Dr. Winters …« Lee lächelte den Mann an. »Es wird noch etwas dauern, aber ich freue mich schon jetzt auf die neuen Aufgaben.« Man hatte ihr angeboten, ihre Forschungen weiter auf der Raumstation fortsetzen zu können, nachdem sie ihr Reha-Programm abgeschlossen hatte. Nach der Feier würde sie für einige Monate in Buenos Aires bei ihrer Familie leben, ehe sie ihre Stelle auf Babel antrat.

***

Mike und Alia hatten sich etwas von den anderen Anwesenden separiert und unterhielten sich, bis Botschafter Hydarnes auf beide zukam. »Major, ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Beförderung.« Der Abgesandte der interstellaren Union gab sich größte Mühe, in allen Punkten dem Protokoll zu entsprechen.
»Danke«, war die wortkarge Antwort von Alia. Mike schaute sie kritisch von der Seite an. Seit ein paar Wochen ging es ihr nicht gut. Die Ermittlung zu Arthurs Tod hatte sie mehr mitgenommen, als sie alle gedacht hatten. Sie war blass und wirkte oft geistig abwesend.
»Haben Sie schon über das Angebot Ihres Vorsitzenden nachdenken können, Major? Der Mazan und ganz besonders ich würden eine positive Entscheidung sehr begrüßen.«
»Ich habe mich damit noch nicht auseinandergesetzt, Botschafter.« Die WSA und die interstellare Union hatten sich dafür ausgesprochen, dass Alia als eine Art Verbindungsoffizier zwischen der Erde und der Union agieren sollte, unter der Schirmherrschaft der WSA. Dazu musste sie allerdings erst Zivilistin sein. »Es sind aber bereits Gespräche mit meinen Vorgesetzten und dem Stabschef anberaumt. Ich werde deswegen heute Abend noch nach Kairo reisen.«
Der Botschafter nickte und beließ es dabei. Alia war froh, dass der Mann nicht weiterbohrte. Doch dafür übernahm Mike jetzt diesen Part.
»Du willst die Armee nicht verlassen?« Er schien überrascht. Zudem wusste er nur, dass man Alia eine Position bei der WSA angeboten hatte, aber nicht welche.
»Ich weiß nicht, ob sie mich gehen lassen. Du weißt, dass ich mich damals für fünfzehn Jahre verpflichtet hatte. Davon sind noch vier Jahre abzuleisten«, fuhr sie ihn gereizter, als sie wollte, an. »Deswegen fliege ich auch heute Abend zurück.«
»Ich wollte keine Diskussion mit meiner Frage auslösen«, versuchte Hydarnes die Situation zu entschärfen. »Und Sie nicht in Bedrängnis bringen, Alia.«
»Das haben Sie nicht. Doktor Barnetti hat nur vergessen, dass er nicht mehr länger der Missionskommandant ist.« Damit drehte sie sich auf dem Absatz um und ließ die beiden allein.
Mike sah ihr nach und bemerkte, dass sie den Empfang verlassen wollte, doch von Hofer kurz vor dem Ausgang abgefangen und in ein erneutes Gespräch verwickelt wurde. Höflich blieb er bei dem Botschafter und führte eine Weile Smalltalk mit ihm und Lees Eltern, die sich zu ihnen gesellten. Es waren nette und aufgeschlossene Menschen. Lee würde es guttun, eine Zeitlang bei ihnen zu bleiben.

Schließlich leerte sich der Empfangsraum, Hofer war vor einer halben Stunde gegangen und Mike beschloss, nun zu gehen. Auf dem Flur standen Alia und Lee, die sich vertraut unterhielten, bis Lee Alia umarmte, ehe sie ging.
Mike wollte nach dem Disput nochmal mit Alia sprechen und trat auf sie zu. Kurz bevor er sie erreichte, klingelte ihr PortCom.
»Nein, ich brauche kein Hotel. Ich werde auf dem Stützpunkt übernachten. Danke der Nachfrage, Herr Dumont«, hörte Mike sie sagen, als er bei ihr stand.
»Alia, ich wollte nochmal mit dir reden, bevor du abfliegst. Das vorhin war …«
»Hör zu, Mike, ich werde in etwa einer Woche wieder in Genf sein. Dann weiß ich mehr.« Alia wehrte ab und Mike wurde sich bewusst, dass sie sich im Augenblick nicht mit all dem auseinandersetzen wollte. »Ich muss hier weg, um einen klaren Gedanken fassen zu können.«
»Ich verstehe das. Aber…« Er wollte nach ihrer Hand greifen, doch Alia zog sie weg, sodass Mike ins Leere griff. »…wenn ich dir helfen kann, melde dich bitte sofort.« Er gab ihr einen Chip mit seinen persönlichen Kontaktdaten.
»Das werde ich, danke.«
»Major Scott?« Eine junge Frau in einem schwarzen Hosenanzug kam auf sie zu. »Ihr Gleiter ist da und kann sie zum Flughafen bringen.«
Alia nickte. »Mike, wir sehen uns.«

***6 Tage später***

»Entschuldigen Sie, Mr. Dumont!« Mike lief hinter einem jungen Mann her, der daraufhin auf ihn wartete. »Können Sie mir sagen, wann Major Scott wieder in Genf erwartet wird?« Mike wusste, dass der Mann alles für ihre Gruppe organisiert hatte, was es zu organisieren gab.
Nachdem es Alia nicht einmal für nötig gehalten hatte, sich bei ihm zu melden und ihm Bescheid zu geben, musste er sich selbst die Informationen besorgen.
Er war als letztes Crewmitglied noch in Genf. Lee hatte gestern mit ihren Eltern die Stadt in Richtung Südamerika verlassen.
»Oh ich fürchte, da muss ich Sie enttäuschen, Dr. Barnetti. Ich habe für Major Scott keinen Rückflug gebucht. Der Major wurde dauerhaft in Luxor stationiert.«, erklärte er nach einem Blick in seine Aufzeichnungen.
»Bitte was? Wer hat denn so was veranlasst?« Mike war fassungslos. Hatten diese verbohrten Militärs wirklich darauf bestanden, dass Alia ihre Jahre ableistete? Damit legten sie ihr riesige Steine in den Karriereweg.
»Der Major, Doktor Barnetti. Sie selbst hatte um zeitnahe Versetzung gebeten.« Niko Dumont zögerte bei der Antwort, ihm war bewusst, dass er etwas sagte, was Barnetti nicht gefiel.
»Der Major hat um diese Versetzung gebeten?« Mike wiederholte ungläubig die Worte des jungen Mannes. »Sind Sie da wirklich sicher?«
»Ja, sehr sicher.«
»Vielen Dank!« Noch während er es aussprach, hatte er sein PortCom in der Hand und suchte nach Alias Nummer.
»Zur Zeit ist dieser Anschluss nicht vergeben, bitte kontaktieren Sie Ihren Anbieter…«, hörte Mike ein automatische Ansage.
»Haben Sie noch eine andere Kontaktnummer von Major Scott?« Mike schaute Dumont verzweifelt an. Wieso war Alia gegangen, ohne ihm ein Wort zu sagen? Wieso meldete sie sich nicht bei ihm?
»Ja, wir können den Major über den Stützpunkt kontaktieren, aber ich bin nicht befugt, Ihnen die Kontaktdaten zur Verfügung zu stellen, Doktor Barnetti.«
»Dann seien Sie bitte so nett und übermitteln ihr meine Kontaktdaten und sie soll mich anrufen, sobald sie Zeit findet.« Mike musste sich zusammenreißen, dass er den jungen Mann nicht bei den Schultern nahm und schüttelte, bis er ihm die gewünschten Informationen gab. Als Dumont nickte, bedankte sich Mike und ging in sein provisorisches Quartier. Sicher würde sie sich melden. Bald.

phsntastika

Rückblick Phantastika 2018

Noch vor der Veröffentlichung von Kolonie 85: Der Aufbruch, konnte ich die erste Lesung während der Phantastika am 21.10.2018 in Berlin halten. Das war ganz schön aufregend. Interessierte Zuhörer, von denen dann im Laufe der Lesung mehr dazukamen, als gingen, zeigen mir, dass unsere Geschichte funktioniert. Ein gutes Gefühl.
Die Belohnung folgte schließlich in Form eines herzlichen Applauses, der wirklich ergreifend war.
Moderiert von Björn Sülter (autor von "Es lebe Star Trek") war die Gelegenheit, unser Buch das erste Mal einem Publikum vorzustellen, ein grandioses Ereignis für mich als Autor und so, wie mir von einigen Zuhörern versichert wurde, ein interessanter Einblick in Kolonie 85.

Einige angeregte Gespräche folgten dann noch der Lesung, so dass festgehalten werden kann, dass die Phantastika 2018 in Berlin insgesamt ein guter Stratschuss für unser Buch war.

Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es auf der Webseite der Phantastika.

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