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Fragment 25

Eine neue Stadt


Es war nicht gerade das, was Lee sich vor Jahren in der Feldforschung vorgestellt hatte, doch nach den vergangenen zwölf Monaten war dies genau das Richtige für sie. An diesem Ort.
Babel bot alle Möglichkeiten, die man sich nur wünschen konnte. Eine nahezu autarke Stadt im Weltall und dazu fast unbegrenzte finanzielle Möglichkeiten, da das Prestigeprojekt des Schiffbaus der interstellaren Union und allen Erdregierungen mit enormen Zuschüssen gefördert wurde. Sogar die Marsregierung hatte es sich nicht nehmen lassen, einen Teil der Kosten zu tragen. Zudem wurden die Bauarbeiten an der neuen Schiffswerft abgeschlossen, und dem Bau der ersten beiden Forschungsfregatten in den kommenden Monaten stand nichts mehr im Weg. Immer mehr Menschen kamen zum Arbeiten und Forschen nach Babel.
„Wenn ich noch etwas für Sie tun kann, Misses Thuis, lassen Sie es mich wissen.“ Der Mann lächelte Lee freundlich an, gerade waren sie mit ihrer Projektbesprechung fertig geworden.
„Bitte nennen Sie mich Lee, Dr. Summers.“ Dabei unterließ sie es aber, ihn darüber aufzuklären, dass sie nicht verheiratet war.
„Gerne, dann darf ich Sie aber auch bitten, mich Andrew zu nennen.“ Lee nickte und freute sich. Dr. Summers war der Leiter des großangelegten Forschungsprojekts zur Vermessung der kleinteiligen Weltraumtrümmerpopulation auf der Transitstrecke zwischen Erde und Mars.
Lee hatte das Projekt dank ihres entwickelten Lasermessverfahrens schon ein gutes Stück vorwärtsbringen können. Sollte es so weitergehen, würde die dabei genutzte Vektorpeilung in die Steuerungssoftware der Schiffe übernommen werden. Jedoch lag das noch in weiter Ferne. Die Bauzeit der Schiffe war auf acht Jahre kalkuliert worden und Lee glaubte, dass man dabei noch sehr optimistisch gewesen war. Sie hatte während ihrer Reise auf dem Unionsschiff gelegentlich einen Blick auf die verschiedenen technischen Errungenschaften erhaschen können. Auch wenn sie nicht so sprachbegabt wie Alia war, wusste sie, dass man nicht ohne weiteres Erd- und Unionstechnologie kombinieren würde können.
„Aber sicher, Andrew.“, sagte Lee. Es war für sie ein kleines Wunder, dass sie sich mit Summers alleine in einem Raum aufhalten konnte, ohne dass sie in Angstschweiß ausbrach. Dennoch presste sie ihre Aufzeichnungen mit verschränkten Armen vor ihren Oberkörper wie einen Schutzpanzer.
„Sie scheinen keinerlei Schwierigkeiten damit zu haben, im Weltall zu leben, Miss … ich meine Lee. Aber sicher sind Sie nach so vielen Jahren auf Ihrer Reise daran gewöhnt.“ Lee wusste den Versuch zu schätzen, dass er Small Talk mit ihr halten wollte. Sie war noch nicht lange auf Babel und hatte bisher nur wenig Kontakt mit ihren Kollegen. Andrew war ein sympathischer Mensch und durchaus attraktiv, wenn auch vielleicht mit fast zwei Metern Körpergröße etwas groß. Lee musste immer zu ihm hochschauen.
„Ja, auch wenn ich Ihnen gestehen muss, dass ich den Großteil nicht miterlebt habe. Die meiste Zeit habe ich mich in Stasis befunden.“
„Naja, jedenfalls solange, bis Sie ein feindliches Schiff lahmgelegt haben, wenn man der Presse glauben will. Ich muss Ihnen gestehen, dass ich Ihre Geschichte sehr aufmerksam verfolgt habe. Ein richtiges Abenteuer!“ Andrew schaute sie mit großen Augen an und wartete wohl darauf, dass sie begann von ihrem ‚Abenteuer‘ zu erzählen.
„Ja…es war…es war sehr aufregend.“ Es war die Hölle gewesen. Nichts würde Lee lieber tun, als diese Reise für immer zu vergessen. „Babel und meine neuen Aufgaben stehen dem aber in Überhaupt nichts nach. Ich meine, immerhin ist letzte Woche fast ein Labor in die Luft geflogen!“ Ihre Stimme war hoch geworden, wie früher, wenn sie etwas spannend oder interessant fand.
„Oh ja. Wenn Sie ein Problem mit Explosionen haben, sollten Sie sich besser von gewissen Kollegen fern halten. Mache haben wirklich ein Händchen dafür, die Sicherheitsvorkehrungen der Station auszutesten.“ Beide lachten über den kleinen Scherz und Lee war froh, dass Andrew den Wink mit dem Themenwechsel verstanden hatte.
„Ich möchte nicht in der Haut des Stationskommandanten stecken.“ Lee hatte den Commander und den Kommandostab bei ihrer Ankunft vor ein paar Wochen kennengelernt.
„Ich auch nicht“, wieder lachte ihr Projektleiter. „Wie steht es mit Ihnen Lee? Ich könnte eine Tasse Tee vertragen.“
Lee wurde schlagartig übel. Unvermittelt schossen ihr Erinnerungen in Ihre Gedanken, die sie lange Zeit erfolgreich verdrängt hatte. „Danke, aber ich trinke keinen Tee“ Sie presste die Unterlagen noch fester an ihren Körper.
„Ich bin mir sicher, dass es auch Kaffee gibt. Oder trinken Sie auch keinen Kaffee?“ Andrew musterte sie von oben bis unten, was Lee noch nervöser werden ließ. Unbewusst ging sie einen Schritt nach hinten, um den Abstand zwischen Ihnen zu vergrößern. Zwar fühlte sie sich einerseits von der Einladung geschmeichelt und ein Teil von Ihr wollte ihm unbedingt näher kommen, doch allein der Gedanke an Nähe und körperliche Anziehung verursachte ihr ein nahezu unbeschreibliches Unbehagen, dem sie sich in diesem Moment nicht entziehen konnte. Es machte sie wütend und traurig zugleich, denn sie wusste, dass dies im Grunde nichts mit dem Mann zu tun hatte, der ihr auf sehr freundliche Weise ein Date angeboten hatte.
„Doch…doch, sicher. Aber leider, habe ich jetzt keine Zeit mehr.“ Lee ging zielstrebig in Richtung Tür, achtete aber sehr genau darauf, Andrew nicht näher zu kommen. „Vielleicht in ein anderes Mal“
„Lee, bitte warten Sie. Ich wollte Ihnen nicht zu nahetreten.“ Er ging einen Schritt auf sie zu, was sie nun panisch werden ließ. „Geht es Ihnen gut?“
„Andrew, bitte bleiben Sie da stehen, wo Sie sind.“ Lee zwang sich, ruhiger zu atmen. „Ich danke Ihnen für die Einladung, aber wie ich bereits sagte, vielleicht ein anderes Mal“ Lee wartete seine Antwort nicht mehr ab und verließ schnellen Schrittes den Besprechungsraum. Kaum war sie um die nächste Ecke gebogen, blieb Lee stehen und starrte auf ihre zitternden Hände. Und zum ersten Mal stieg neben der Angst auch Hass auf den Mann auf, der dafür verantwortlich war und dessen Gesicht sie wohl nie wieder vergessen würde. Kardas.

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Fragment 20

Eine neue Aufgabe

„Aaliyah, ich bitte dich. Die Einrichtung des Labors kann ein paar Tage warten.“
Zarah folgte ihr durch alle Räume des Hauses und insgeheim wusste Alia, dass ihre ehemalige Gouvernante recht hatte. Es tat keine Not, ihr Forschungslabor innerhalb der nächsten Stunden einzurichten, aber sie wollte es.
„Du musst mehr schlafen Kind!“
„Sag das nicht mir, sondern denen, welche die Nacht zum Tag machen.“ Im Gegensatz zu den letzten Nächten lagen die beiden Babys zufrieden in ihren Sitzen und schliefen tief, während um sie herum das Chaos herrschte. Es störte die Kinder nicht, dass ständig Leute an ihnen vorbeiliefen, etwas mit einem Krachen abstellten oder Alias Computer unangenehme piepende Signale von sich gaben.
„Du hast immer dann am tiefsten geschlafen, wenn ich das Haus sauber gemacht habe“, erklärte Zarah und strich dem Mädchen vorsichtig über die Stirn. Daraufhin zeigte sich ein kleines Lächeln im Gesicht, aber das Kind wachte nicht auf.
„Das waren sicher die Ausdünstungen der Putzmittel“, war Alias sarkastische Antwort. Dafür erntete sie einen strafenden Blick der älteren Frau. „Ben und Rhia schlafen, nur eben nicht nachts. Ich hoffe, dass sich der Schlafrhythmus in nächster Zeit dem meinem anpasst.“ Sie ging zu ihren Kindern und sah sie an. „Und solange trage ich sie eben nachts durchs Haus, bis sie wieder schlafen.“
„Ich weiß noch, dass dein Vater dich nachts stundenlang durch die Bibliothek getragen hat, wenn du einen Alptraum hattest. Solange, bis du nicht mehr geweint hast und er fast im Stehen eingeschlafen ist.“ Zarah bemerkte in dem Moment, als sie es aussprach, wie sich Alias Gesichtsmuskeln anspannten.
„Wenn du es sagst … Ich kann mich nur daran erinnern, dass der General kaum zuhause war.“ Alia hielt in ihrer Bewegung inne und starrte einen Moment abwesend ins Nichts. Sie erinnerte sich daran, wie es war, wenn er die wenigen Tage im Jahr in Luxor war. Sie und ihr Bruder wurden von einem Empfang zum nächsten geschleift, wurden vorgeführt wie Zuchtkälber, aber an einen liebevollen Umgang ... daran konnte sie sich nicht erinnern.
„Du hast dich von niemandem anderen beruhigen lassen, nicht mal David…“
„Ich will weder über David noch über Vater sprechen!“, fiel ihr Alia so laut ins Wort, dass ihr Sohn aufwachte und anfing zu weinen. „Kleiner Stern...“, vorsichtig nahm sie das nur ein paar Wochen alte Baby aus dem Sitz in ihre Arme, „... nicht weinen.“ Doch der kleine Kerl dachte nicht daran, sich beruhigen zu lassen, als Alia mit ihm durch den Raum lief. Aus Leibeskräften schrie er so laut, wie er konnte, bis schließlich seine Schwester durch das Gebrüll wach wurde und auch zu weinen begann.
„Rhia … nicht du auch noch...“ Das Drama von letzter Nacht schien sich fortzusetzen und zum wiederholten Male stellte sie sich die Frage, woher die Kinder diese Energie nahmen. Alia streichelte ihrer Tochter liebevoll über die Wange und tatsächlich hörte sie auf zu weinen. Stattdessen starrte das Kind ihre Mutter mit großen Augen an. „Kleine Sonne, du musst deinem Bruder nicht immer alles nachmachen.“
„Sitt, wo sollen die Tische und der ganze nutzlose Kram hin?“ Zwei ihrer Angestellten trugen die Möbel ins Haus.
„Bringt es in den Keller in den großen Raum. Die Tische an die Wand, unter die Holo-Wand und die Server in den großen Schrank. Gewöhne dir solche unnützen Phrasen ab, Selim. Davon ist nichts nutzlos.“
„Schon gut, lass mich das machen.“ Zarah hatte ihr das Kind abgenommen, das immer noch lauthals schrie und ging mit ihm in einen anderen Raum. „Richte dein Labor ein. Es sind nur noch wenige Wochen, bis du deine neue Stelle antrittst.“ sagte sie etwas lauter, um Ben zu übertönen, der nicht sehr glücklich darüber war, dass man ihn in ein anderes Zimmer brachte.
„Ich kann es kaum erwarten.“ Alia strahlte über das gesamte Gesicht. „Auch wenn mir erst einmal eine Menge Papierkram bevorsteht.“ Sie war zu ihrer ehemaligen Gouvernante gegangen und nahm ihren Sohn wieder auf den Arm, der sich langsam beruhigte.
„Nun, als Leiterin der Antikenbehörde wird das nie abreißen. Aber wenigstens kannst du selbst noch etwas in die Feldforschung gehen, wenn du dich eingearbeitet hast.“ Zarah blieb stehen und schaute Alia durchdringend an.
„Nein, Zarah, nicht das Thema.“ Ihre Stimmung hatte sofort umgeschlagen und ihre Stimme klang wie ein Peitschenhieb.
„Aber Aliayah, die Kinder brauchen einen Vater und du einen Partner“, versuchte sie, das Thema aufzugreifen, welches jedes Mal im Streit endete.
„Für was? Dass er sie lautstark rügt, wenn sie keine Höchstleistungen in der Schule erzielen? Dass er sie in der größten Not mittellos aus dem Haus wirft? Das ich 50 Wochen im Jahr auf ihn warte?“ Alia drehte sich wütend um. „Nein, Zarah. Ich habe dir gesagt, dass ich mich auf den falschen Mann eingelassen habe. Er will Karriere machen, dabei stören ihn Kinder. Und ich auch.“ Sie ging zu Zarah und nahm ihr das schreiende Baby aus dem Arm.
„Du machst auch Karriere, Kind. Das ist kein Argument.“
„Doch, ist es! Und damit ist die Diskussion ein für alle Mal beendet, Zarah! Das ist mein Leben und ich entscheide, was für die Kinder und mich das Beste ist, hast du verstanden? Wenn es dir nicht passt, steht es dir frei, dir eine andere Stelle zu suchen.“ Damit drehte sich Alia mit Ben auf dem Arm wütend um, nahm den Tragesitz ihrer Tochter und verschwand in ihrem halbfertigen Labor.

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Fragment 15

Der Traum der Menschheit

Die Voyager. Der Stolz des Raumfahrtprogramms der World Space Administration war endlich im Begriff, ihre große Reise anzutreten. Auf der Aussichtsplattform der Raumstation Babel hatten sich alle Vertreter der sieben Weltregierungen sowie der Repräsentant der Marskolonie zusammengefunden, um dem Vorsitzenden der WSA bei seiner Ansprache zuzuhören und dem Start des Raumschiffs beizuwohnen.
Bevor der offizielle Teil begann, wurden Sektgläser und kleine Snacks gereicht, um allen Anwesenden die Wartezeit zu verkürzen, während die Crew der Voyager alle Systeme des Schiffs gründlich überprüfte. Ein Fehler würde die gesamte Mission gefährden.
„Sagen Sie, Präsidentin Callao, haben Sie sich oder vielmehr die Regierung des Inka-Territoriums inzwischen mit der Frage der Abbaurechte beschäftigt?“ Herman Zettler, Präsident der Nordamerikanischen Union trat näher an die schlanke Frau heran.
„Wollen Sie dieses Thema jetzt anschneiden?“
Er hob das Glas. „Warum nicht? Die Gelegenheit ist günstig und wir warten hier sowieso nur. Es würde mich interessieren …“
„Ich kann mir sehr gut vorstellen, was Sie interessiert. Es muss zu verlockend sein. Rohstoffe auf dem Mond, auf dem Mars und vielleicht auch auf Proxima Centauri b. Nicht wahr?“ Sie lächelte ihn an, doch es lag keine Freundlichkeit darin. „Aber so weit wollen Sie ja gar nicht. Wo doch Mittelamerika quasi Ihr Hinterhof ist.“
„Diese Ansicht ist doch antiquiert, werte Präsidentin.“
„Aber trotzdem zutreffend. Die Durango 400 Grenzlinie stört Sie doch schon lange. Und hätten sich sämtliche Einzelstaaten in Mittel- und Südamerika nicht zum Inka-Territorium zusammengeschlossen, wären Sie sicher schon bis Panama vorgedrungen.“
„Hören Sie auf, verdammt!“
Irritierte Blicke trafen die Zwei. Zettler lächelte höflich, was dazu führte, dass das Interesse an den beiden Streitenden nach einigen Sekunden wieder nachließ.
„Sie haben Recht, ja. Wir benötigen die Rohstoffe. Wir sind der industrielle Teil von Amerika. Was will das Inka-Territorium schon mit den Schürfrechten anfangen? Und das obendrein auf dem Mond oder dem Mars?“
Ein weiterer Mann war dazugekommen und mischte sich ein. Er war Mitte vierzig und wirkte eher unscheinbar. „Entschuldigen Sie, aber wenn Sie schon von Schürfrechten auf dem Mars sprechen, verehrter Präsident Zettler, dann sollte doch die Kolonialverwaltung des Planeten ganz offiziell hinzugezogen werden.“
Zettler wandte sich um. „Mister Jamaal ibn Gafur. Messen Sie Ihrer Position als Verwalter der Marskolonie nicht zuviel Bedeutung zu. Das werden wir sicher machen, wenn es soweit ist.“
Der Mann deutete eine Verbeugung an. „Es freut mich, dass Sie sich an meinen Namen erinnern. Aber bevor Sie sich mit Präsidentin Callao um die Schürfrechte auf dem Mars streiten, würde ich dreierlei vorschlagen. Erstens, dass Sie sich erst einmal mit dem Lunarabkommen einig werden. Zweitens, dass Sie nicht vergessen, dass der Mars inzwischen eine eigene Verwaltung hat. Und drittens, dass wir uns jetzt alle auf den Start der Voyager konzentrieren. Denn dafür sind wir hier.“
„Sie sind ein verdammter Klugscheißer“, wetterte Zettler, während Callao sich zurückzog. „Ihre Verwaltung ist von den amerikanischen Versorgungslieferungen abhängig. An Ihrer Stelle würde ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.“
„Auf dem Mars ist dies ohnehin keine gute Idee.“
„Wie bitte?“
„Die mit dem Fenster.“ Jamaal ibn Gafur deutete auf die Voyager, die über das Panoramafenster von der Aussichtsplattform aus in voller Größe zu sehen war.
Als Zettler bemerkte, dass sich nunmehr alle Aufmerksamkeit auf die Voyager richtete, beließ er es dabei.
Hofer trat unterdessen an das Rednerpult, das etwas seitwärts stand, so dass man sowohl ihn, als auch das Raumschiff problemlos sehen konnte.
Fünfzehn Meter hoch und insgesamt etwa vierzig Meter breit. Die Konturen waren geschwungen, fast, als wäre sie ein Vogel, der seine Flügel ausbreitete, um die Weiten des Alls zu erforschen. Die Voyager war in diesem Moment ein beeindruckender Anblick von eleganter Schönheit.
„Ladies and Gentlemen, meine Damen und Herren. Der Moment ist gekommen, um bei diesem historischen Augenblick dabei zu sein“, Hofer begann seine Ansprache, während sich die Voyager langsam aus dem Raumdock löste. „Seit Jahrhunderten strebt der Mensch nach dem Unerforschten. Er fragte sich stets, was hinter dem nächsten Hügel liegen mochte. Hinter dem See, dem hohen Berg oder hinter dem Ozean? Was mochte auf den Menschen auf dem Mond oder dem Mars warten? In unserem Sonnensystem?
Nach all diesen Erfahrungen streben wir nun nach einem weiteren Schritt. Was erwartet uns im benachbarten Sonnensystem Alpha Centauri?“ Er sah sich um, sah kurz auf die Voyager, die sich nunmehr halb gedreht hatte und jetzt in voller Länge zu sehen war. Achtzig Meter. Zettler war beeindruckt und stellte fest, dass es den Anderen ebenso erging.
„Wir wissen, dass Alpha Centauri ein Dreigestirn ist und wir wissen, dass ein Planet um eine der Sonnen kreist. Proxima Centauri b.
Nach unseren Einschätzungen könnte dieser Planet eine zweite Erde sein. Ein sogenannter Exoplanet. Und wie es unsere Vorfahren immer gehandhabt hatten, so wollen auch wir jetzt, an der Schwelle zu neuer Erkenntnis stehend, unserem Wissensdrang nachgeben und eine tapfere Mannschaft ausschicken, um dieses weite Ziel zu erforschen und dort eine erste Station für uns, für die Menschheit zu bauen. Ganz in der Tradition von Männern wie Leif Eriksson, Christoph Kolumbus, Nikolaus Kopernikus, Neil Armstrong und James Sheridan werden vier junge Menschen aus allen Teilen der Erde einen lang gehegten Traum der Menschheit erfüllen. Alexandra Scott, Leandra Thuis, Arthur Jones und Michael Barnetti werden stellvertretend für die gesamte Menschheit nach den Sternen greifen.“
Das Schiff schob sich seitwärts von Babel weg, damit der Antrieb gefahrlos gezündet werden konnte. Die Anwesenden wurden im Vorfeld ausreichend auf die Prozedur vorbereitet. Zettler wollte sicherstellen, dass dadurch eine Panik vermieden wird, sobald die riesigen Triebwerke direkt am Panoramafenster der Aussichtsplattform vorbeizogen.
„Innerhalb der WSA wurde über die Namensgebung dieses Schiffs diskutiert und der Favorit war, es ‚Voyager 3‘ zu nennen. Als Hommage an die Pioniere der Raumfahrt und den beiden Voyager-Sonden der ehemaligen NASA. Wir entschlossen uns aber dazu, unsere eigene Geschichte über die Reisen im Weltraum zu schreiben und haben aus diesem Grund die Ziffer hinter dem Namen gestrichen. Die Hommage dürfte damit dennoch erkennbar sein, doch diese ‚Voyager‘ ist die erste ihres Namens, die für die World Space Administration die Weiten des Weltraums erkunden wird.
Wünschen Sie dem Schiff und der Crew eine gute Reise. Wir werden sehr lange nichts von ihnen hören.“
Genau in diesem Moment zündete die Voyager ihre Triebwerke. Man sah es, doch entgegen aller Erwartung, war nichts zu hören. Zettler kannte dieses Phänomen. Das All konnte keine Schallwellen übertragen und so erschien es, als würde der Antrieb das Schiff lautlos von der Raumstation wegschieben.
„Raumstation Babel, hier ist Michael Barnetti und die Crew der Voyager. Hören Sie mich?“
Zettler bewunderte Hofer in diesem Moment für sein geschicktes Agieren. Hier wurde ganz bewusst ein Moment geschaffen, der Gänsehaut garantierte.
„Hier ist Juan Hofer an Bord der Raumstation Babel. Bitte sprechen Sie.“
„Raumstation Babel. Alle Systeme arbeiten einwandfrei. Wir werden jetzt unseren Kurs nach Alpha Centauri aufnehmen und uns bald in die Stasiskammern begeben. Ich wurde von der Crew darum gebeten, euch alle zu grüßen.“
„Hofer hier. Vielen Dank. Bitte richten Sie der Crew aus, dass wir alle sehr stolz auf Sie sind.“
„Sie haben es gehört und freuen sich auf diese Mission. Wir werden den Traum der Menschheit mit uns tragen.“
„Guten Flug Ihnen allen. Wir werden die SatKom-Anlage regelmäßig abhören.“
„Vielen Dank, Babel. Barnetti für die Voyager. Ende.“
Immer schneller entfernte sich das Schiff, bis nur noch ein kleiner blauer Punkt zu sehen war, der sich kaum von den Sternen abhob. Zettler sah der Voyager so lange er konnte nach und fragte sich, ob er die Mannschaft und das Schiff jemals wieder sehen würde.

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Fragment 14

Fragment 14 – „Die Liebe eines Vaters“

 „Los Arjay, komm schon. Das ist unser letzter Abend auf der Erde. Sei kein Spielverderber.“ Leandra Thuis versuchte, ihren Kollegen davon zu überzeugen, sich der Gruppe von Astronauten anzuschließen und ein letztes Mal in eine Bar auf der Erde zu gehen. Und selbst wenn diese nur im eingeschränkt zugänglichen Bereich des WSA-Trainingscenters war. Doch Arthur Jones hatte kein Interesse.
„Nein, Lee. Lass mich bitte hierbleiben“, er deutete auf sein ComTerm, „Ich muss ein paar Sachen erledigen, bevor wir morgen mit der Voyager aufbrechen.“
„Arjay!“ Lee versuchte, ihn zu necken und dadurch etwas aufzulockern.
„Lee, bitte!“
„Arjay, komm jetzt. Was ist denn da so wichtig?“ Sie hing sich mit einer Hand am Türrahmen seines Zimmers fest und wackelte dabei fröhlich mit ihrem Kopf von einer Schulter zur anderen.
Arthur wollte allein sein. Warum konnte sie das nicht verstehen? Zudem hasste er es, wenn ihn jemand „Arjay“ nannte. Wenn er Lee nicht so gerne gemocht hätte, wäre ihm schon längst der Kragen geplatzt. Doch er riss sich zusammen.
„Lee, geh doch mit Alia und Mike los und lass mich hier in Ruhe. Vielleicht komme ich ja nach, aber das ist mir jetzt ganz wichtig“, flehte er beinahe.
„Echt jetzt?“, fragte sie dann und trat ein paar Schritte näher. Die WSA war den Astronauten gegenüber recht großzügig. Jeder erhielt sein eigenes Zimmer mit allem, was das Herz begehrte. Der Vorsitzende Juan Hofer erklärte einmal Reportern, dass es ihm wichtig war, dass sich seine Leute wohlfühlen würden. Immerhin wurde ihnen alles abverlangt, also sollten sie dafür jeden Komfort genießen dürfen, den sie bekommen konnten. Und sie bekamen die Annehmlichkeiten. Aber Arthur Jones hätte in diesem Moment jeden Komfort aufgegeben, um Lee endlich loszuwerden. Er wollte seine Ruhe haben.
„Was kann denn jetzt so wichtig sein, dass du nicht mitkommen magst?“, fragte sie und versuchte dabei, auf seinen ComTerm zu blicken.
Jetzt reichte es ihm. „Lee“, fuhr er sie schroff an, „es ist genug. Wenn du es unbedingt wissen willst ... ich möchte eine Nachricht für meinen Sohn aufnehmen. Ich werde ihn sehr lange nicht mehr sehen können. Vielleicht kannst du das ja verstehen. Das ist mir wichtig.“
Endlich entdeckte er in ihren Augen, dass Sie verstand. Ja, er hatte ein Kind. Als Einziger aus der Voyager-Crew. Weder sie, noch Alia oder Mike hatten Nachwuchs. Betreten senkte sie ihren Blick zu Boden, ehe Sie ihn erneut ansah.
„Entschuldige, Arthur. Ich ...“
Er wehrte ab. „Schon gut, Lee. Lass mich einfach hier machen und vielleicht komme ich später noch nach.“
„Versprochen?“, fragte sie zaghaft.
Arthur nickte und gab ihr dann durch eine Kopfbewegung in Richtung ComTerm zu verstehen, dass er jetzt alleine sein wollte.
Als sie endlich weg war, schloss Arthur die Zimmertür, setzte sich an den Tisch und gab dem ComTerm den Befehl, die Aufzeichnung zu starten.
„Sprachaufzeichnung gestartet“, ertönte die Stimme des ComTerms.
Wie sollte er jetzt anfangen? Er hatte so Vieles zu sagen. Für einen Moment sammelte er sich, richtete sich dann etwas auf und begann mit der Aufzeichnung.
„Lieber Timothy, dies ist der Vorabend meiner großen Reise mit der Voyager und den anderen Astronauten zum nächsten Sternensystem Alpha Centauri. Du bist gerade erst drei Jahre alt und kannst nicht wissen, welche unglaubliche Reise deinem Vater bevorsteht. Doch ich kann dir sagen, dass dies vermutlich eines der größten Abenteuer sein wird, die sich ein Mensch nur vorstellen kann.
Fünf Jahre werden wir in Cryoschlafkammern verbringen, damit wir die Reise überstehen und ausgeruht dort ankommen. Das muss sein! So sparen wir Nahrung und werden nur wenig altern. Dann steuern wir den Planeten Proxima Centauri b an. Den gesammelten Daten der Weltraumteleskope nach, soll sich diese Welt optimal dazu eignen, eine Basis in seiner Umlaufbahn zu errichten. Genau werden wir das natürlich erst überprüfen können, wenn wir dort sind. Denn Proxima Centauri b ist viele Lichtjahre von der Erde entfernt und selbst die besten Teleskope können nicht im Detail feststellen, wie es dort tatsächlich aussieht. Doch man vermutet, dass es dort Wasser und Vegetation geben könnte. Nicht so, wie auf der Erde, aber doch zumindest so, dass es uns gelingen sollte, etwas Wasser zum Waschen aufbereiten zu können.“ Er lächelte verlegen. In diesem Moment zweifelte er zum ersten Mal daran, dass seine Entscheidung, bei der Mission mitzumachen, wirklich richtig war.
„Wenn alles reibungslos funktioniert, mein Sohn, dann werden wir für zwei Jahre in der Umlaufbahn von Proxima Centauri b bleiben und dort eine Basis errichten. Etwas Kleines. So, wie die alte Internationale Raumstation ISS, die vor langer Zeit die Erde umkreiste. Gerade groß genug, um vier Menschen Platz zu bieten, damit etwas Forschung betrieben werden kann. Und dann machen wir uns wieder auf die Rückreise. Erneut für fünf Jahre in den Cryoschlafkammern. Das bedeutet, dass wir uns erst in zwölf Jahren wiedersehen werden. Im Jahre 2245. Da wirst du dann schon 15 Jahre alt sein.“
Er hielt einen Augenblick inne. Eine lange Zeit, in der er seinen Sohn nicht sehen würde. War ihm das jemals so bewusst wie in diesem Moment? Er schüttelte kaum merklich den Kopf. Zum Einen, um sich seine eigene Frage zu beantworten und zum Anderen, um diese Gedanken zu vertreiben. Er wollte es so. Es war sein Traum. Raumfahrt, Entdeckungen und die Vorstellung jubelnder Menschen bei seiner Rückkehr. Würde sein Sohn dabei sein? Wie glücklich wäre er wohl in diesem Moment?
„Mein Sohn, auch wenn ich dich lange Zeit nicht sehen werde, so sei dir gewiss, dass ich dich über alles von ganzem Herzen liebe. Ich tue dies, um dir und allen Menschen einen Weg in eine neue Zukunft zu ebnen. Nach der Voyager wird es neuere Schiffe, schnellere Schiffe geben, die diese Reise in kürzerer Zeit zurücklegen können. Proxima Centauri b wird das Tor ins Universum für die Menschen der Erde werden. Eines Tages wird es möglich sein, fremde Planeten zu besiedeln, die Umweltbedingungen anzupassen und so immer weiter hinaus zu ziehen. Und auch immer mehr über das Universum zu lernen.
All das wird mit dem ersten Schritt außerhalb unseres Sonnensystems anfangen. Mit dem Flug der Voyager, die morgen ihre Reise antreten wird. Und dein Vater wird mit an Bord sein.“
Eine kleine Träne bahnte sich ihren Weg über seine Wange, doch er wischte sie nicht weg. Nein, er war nicht traurig, sich für dieses Abenteuer entschieden zu haben. Er war aber traurig darüber, seinen Sohn und auch seine Frau lange Zeit nicht sehen zu können. Doch Helen und er hatten viele Male über alles gesprochen. Sie war damit einverstanden und beteuerte immer wieder, wie stolz sie auf ihn war. Als er daran dachte, fasste er neuen Mut.
„Deine Mutter wird dir sicher viel von mir erzählen. Wir haben uns beide oft darüber unterhalten und ich weiß, dass sie immer für dich da sein wird.
Euch die lange Zeit nicht sehen zu können, wird sicher schwer werden, aber ich weiß, dass es sich lohnen wird. Und für mich vergehen ja auch nur zwei Jahre. Und wenn ich wieder da bin, dann müsst ihr mir beide unbedingt berichten, was in all den Jahren so passiert ist. Ich will alles wissen. Wie du in die Schule gekommen bist, wer deine erste Freundin war, was du manchmal angestellt hast und wie ihr manchen Abend damit verbracht habt, euch darüber zu unterhalten, wie lange es noch dauern wird, bis ich wieder bei euch bin.
Im Herzen werde ich immer bei euch sein und ganz besonders bei dir, mein Sohn.
In Liebe
Dein Vater“
Stille.
Arthur Jones war zufrieden.
„Aufzeichnung beenden und bei Digital Delivery für eine spätere Zustellung speichern.“
„Bitte nennen Sie den Zeitpunkt der geplanten Zusendung der Nachricht“, forderte sein ComTerm daraufhin.
Arthur streckte sich etwas, bevor er antwortete: „Am 1.1.2245. Empfänger ist Timothy Jones. Bitte Accountabfrage über WSA-Registrierung der Familienangehörigen.“
„Bestätigt“, antwortete die Stimme.
Arthur Jones nickte kurz. „Wenn du diese Nachricht erhältst, wird es nicht mehr lange dauern, bis wir uns wieder sehen“, murmelte er vor sich hin.
Sollte er sich jetzt doch auf den Weg zu den anderen machen? Nein! Er entschied, die Zeit dazu zu nutzen, eine weitere Nachricht zu verfassen. Eine Nachricht an Helen. Diese sollte sie aber nicht erst 2245 erhalten, sondern schon kurz nach dem Start. Er musste ihr sagen, wie sehr er sie liebte und wie dankbar er war, dass sie die lange Zeit ohne ihn auf sich nahm, um auf ihn zu warten und ihr gemeinsames Kind aufzuziehen. Es war ihm wichtig.
Danach konnte er sich zum Rest der Voyager-Crew begeben um Abschied von der Erde zu feiern.

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Fragment 13

Fragment 13 – „Öffentlichkeitsarbeit“

„Die Fragen wurden im Vorfeld mit den Vertretern der Presse abgesprochen“, erklärte der WSA-Chef der Crew, die in einem kleinen Raum auf ihren großen Auftritt wartete.
„Sie werden sich genau an die vorgegebenen Antworten halten.“ Hofers Assistentin überreichte der Crew verschiedene Pads. „Sie fügen nichts hinzu und werden auch nichts weglassen, verstanden?“
„Und was sollen wir machen, wenn Fragen gestellt werden, die nicht abgesprochen sind?“ Arthur war nervös. Er konnte keine dreißig Sekunden stillsitzen und lief immer wieder hin und her.
„Das wird nicht passieren, Mister Jones. Wir haben die Pressekonferenz bis ins kleinste Detail durchgeplant.“
„Da bin ich aber mal gespannt, ob sich die Journalisten dran halten.“ Lee war ebenfalls aufgeregt. Heute war ihr großer Tag.
„Das werden sie. Wir machen so etwas schließlich nicht zum ersten Mal“, fügte Hofer mit Nachdruck hinzu. „Sie werden freundlich in die Kameras schauen und ihre Antworten vorlesen.“
„Die meisten Fragen gehen an dich, Mike.“ Lee las sich die Antworten auf dem Pad durch.
„Natürlich. Doktor Barnetti ist der Missionsleiter“, grätschte die Assistentin ein, bevor Mike eine Antwort geben konnte. Er und Alia saßen noch in der Maske.
„Und was sind wir? Schmückendes Beiwerk?“ Alia hatte die kurze Pause des Maskenbildners genutzt, der nach einem weiteren Pinsel griff, um sie mit Make-up vollzuschmieren. Jeder im Raum konnte ihren Unwillen darüber hören.
„Wenn Sie es so wollen, ja. Das sind Sie.“ Hofer drehte sich zu Alia, die wieder von dem Stylisten bearbeitet wurde und die Augen schließen musste. „Wir haben jeden von Ihnen in den letzten Monaten öffentlich so aufgebaut, dass diese Antworten exakt Ihrem Image entsprechen.“
„Und dieses Image wäre?“ Mike war nun auch ärgerlich. Er mochte es nicht, übervorteilt zu werden. Und dass ihn die WSA so ins Rampenlicht rücken wollte, war ihm unangenehm.
„Sie, Doktor Barnetti“, die Frau an Hofers Seite klang genervt, „sind der smarte und sympathische Missionskommandant, der das Team geformt und zusammengeschweißt hat.“
„Mister Jones ist der junge und dynamische Familienvater, der trotz allem um die Wichtigkeit der Mission weiß“, ergänzte Hofer in einem etwas milderen Ton und warf der Frau einen warnenden Blick zu. Es würde nicht helfen, wenn die Crew ärgerlich auf die Bühne trat. Diese nickte, bevor sie fortfuhr.
„Miss Thuis ist die lebensfrohe Wissenschaftlerin, welche die Moral der Gruppe aufrecht erhält und Captain Scott stellen wir der Presse als gutaussehende, aber kühle Militärstrategin vor.“
„Bitte was?!“ Alia war aufgesprungen und hatte dabei dem Stylisten den Pinsel aus der Hand geschlagen, mit dem er immer noch versuchte, sie zu schminken. „Barnetti als Mister Niceguy, Thuis als Pausenclown? Wie kommen Sie überhaupt dazu? Und Jones als Nesthäkchen zu vermarkten ist das Letzte. Was fällt Ihnen insbesondere ein, aus mir eine…“
„Captain, Sie vergreifen sich im Ton!“ Hofer hatte ebenfalls seine Stimme erhoben. „Jeder von Ihnen entspricht einem bestimmten Profil, mit welchem sich die Menschen identifizieren können. Sie alle sind sehr beliebt, jeder bei einer anderen Personengruppe. Und wenn Sie sich gleich bei der Konferenz nicht sehr ungeschickt anstellen, wird Sie die Welt dafür feiern, auf diese Mission zu gehen.“
„Sie sollten bedenken, dass die Mission aus Steuergeldern und von Sponsoren aus der Privatwirtschaft finanziert wird“, wieder mischte sich Hofers Assistentin ein. „Mag man Sie, sind die Menschen bereit, für Missionen wie diese zu zahlen.“
Alia und Mike sahen immer noch wütend aus, während Lee und Arthur nicht genau wussten, was sie von der Situation halten sollten. Dennoch schwiegen alle vier.
„Sehr schön. Nachdem das nun geklärt ist, werden Sie jetzt da raus gehen, brav die Fragen beantworten und in die Kameras lächeln.“

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Fragment 12

„Die WSA ist eine globale, zivile Organisation“, erklärte Hofer mit Nachdruck. „Und das Programm ebenfalls.“ „Sicher Herr Vorsitzender. Nichtsdestotrotz dürfen wir den Aspekt nicht unberücksichtigt lassen, dass die Crew auf Situationen treffen könnte, die eine sofortige militärische Entscheidung verlangen.“ Der vehemente Tonfall des neu-ägyptischen Verteidigungsministers war nicht zu überhören. Hofer sah in die Gesichter der ihm zugeschalteten Staatenvertreter, die mit der WSA an dem Projekt arbeiteten oder sich finanziell daran beteiligt hatten. „Was erwarten Sie denn Mister Al-Farah? Dass Außerirdische mit einem Kriegsschiff auftauchen und die „Voyager“ kapern?“ Einige Vertreter unterdrückten ein Grinsen nur mit Mühe, doch waren sie alle klug genug, nicht in die Diskussion einzugreifen. „Nein, natürlich erwarte ich es nicht, aber …“ „Wie ich bereits mitteilte, hat das Auswahlgremium sich für Michael Barnetti als Missionskommandant ausgesprochen. Captain Scott wird jedoch mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet, um in einer Notsituation in die Kommandostruktur eingreifen zu können.“ Hofer wusste, dass es Al-Farah nicht in erster Linie darum ging, aus der Forschungsmission eine militärische Angelegenheit zu machen, obwohl er der Verteidigungsminister war. Vielmehr wollte er seine Landsfrau auf der Kommandoposition sehen. Das könnte ihn politisch enorm nach vorne katapultieren. Zudem war Scotts Mutter ebenfalls eine engagierte Politikerin. Es würde Hofer nicht überraschen, wenn sie selbst Al-Farah kontaktiert hatte, um am Ende auf dem Kommandantensessel Platz zu nehmen. „Ich verstehe.“ Al-Farah sah keineswegs danach aus. „Und ich hoffe für Sie, dass das Gremium und Sie die richtige Entscheidung getroffen haben.“ Der Minister konnte es nicht dabei belassen und setzte diese unterschwellige Drohung nach. Gerade jetzt erinnerte Rashid Al-Farah ihn sehr an Scott, die auch kaum eine Gelegenheit ausließ, um ihre Kameraden zu kritisieren. Er überlegte, ob dies ein typografisch geprägter Charakterzug oder ob diese beiden Individuen rundweg narzisstisch veranlagt waren. Dies war einer der Hauptgründe für die Entscheidung zu Gunsten Barnettis gewesen. Er war ein Teamplayer und verfügte gleichzeitig über genug Autorität, um die Mannschaft führen zu können. Scott hingegen fehlte das nötige Verständnis für die moralischen Belange der Crew. Zwar hatte ihr Sozialverhalten in den letzten Monaten einen für die Mission akzeptablen Zustand erreicht, dennoch würde er ihr nicht ruhigen Gewissens das Kommando geben können. Militär hin oder her. „Das freut mich, Herr Verteidigungsminister“, beendete Hofer die Diskussion, ohne auf die vorhergehende Drohgebärde einzugehen. Selbst wenn Al-Farah nicht aufgegeben hätte, war die Entscheidung so gut wie unumstößlich. Bestände der heute hier tagende Ausschuss auf ein Militärkommando, wäre Scott trotz ihrer Fähigkeiten aus dem Programm genommen worden, um einen passenderen Kandidaten zu etablieren. Im Anbetracht der kurzen Zeit, die noch verblieb, wäre ein solches Unterfangen jedoch äußerst riskant gewesen. Selbst mit der Ersatzcrew. Das musste nach Hofers Einschätzung auch Al-Farah klar sein. „Nach dem Ende der Sitzung werden wir die Mannschaft über die Entscheidung informieren. Die für die Öffentlichkeit bestimmte Pressekonferenz findet Ende dieser Woche statt. Dann werden wir der Welt die Crew, ihre Ersatzleute und auch das Schiff präsentieren.“ Hofer drückte einige Felder auf seinem ComTerm und die Teilnehmer erhielten eine vorläufige Tagesordnung für die Konferenz. Hofer würde sich einen Brandy genehmigen, nachdem er Barnetti beglückwünscht und Scott beruhigt hatte. „Herr Hofer, ich habe noch eine Frage zum Zeitablauf ...“ Sofern er heute noch aus dieser Konferenz kommen würde.

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Lesung in Darmstadt

Im Dezember 2018 war ich zu Gast beim Science-Fiction-Stammtisch Darmstadt und gab einige Auszüge aus Kolonie 85 – Der Aufbruch zum Besten. Mit mehr als 30 Besuchern war die Lesung wirklich gut besucht, ich würde sagen, der Heimvorteil hat was gebracht .

Neben ganz vielen und schönen Gesprächen durfte ich auch noch einige Bücher signieren. Interessanterweise kamen einige Leser zu mir und meinten Anspielungen zu uns inspirierenden Serien und Filmen gefunden zu haben … Nun, wir haben hier und da sicher einen kleinen Gag eingebaut, aber nicht alles was „gefunden“ wurde, war bewusst von uns geschrieben worden. Aber für mich war es sehr unterhaltsam, dass andere Dinge gefunden haben, die ich noch gar nicht verloren hatte :-D.

An dieser Stelle nochmal ein Herzliches Dankeschön an Birgit Fischer, Thorsten Reinhardt und Roger Murmann als Orga des Science-Fiction-Stammtisch Darmstadt für die Einladung.

Weitere Infos zum Stammtisch gibt es auf www.sftd-online.de, auf Facebook und Twitter.

Fotos: Timo Christiansen

#Lesung #Kolonie85 #OnTour #IchbraucheeinMikro #Varité #SFTDarmstadt #Darmstadt #Sci-Fi

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Fragment 11

Dunkelheit. Tiefschwarze Dunkelheit. Und Stille. Totenstille. Als Astronaut weiß man, dass es nur diese beiden Attribute benötigt, um das All zu beschreiben. Das unendliche, tiefschwarze und totenstille Weltall. Und mittendrin werden die Astronauten nur durch eine dünne Hülle eines kleinen Schiffes vor dem Nichts bewahrt. Eine Hülle gefüllt mit Sauerstoff, Licht und Leben. Doch fünf Jahre lang wird es ein Paradoxon geben. Denn innerhalb dieser Hülle voller Sauerstoff, Licht und Leben werden vier Kammern sein, die hermetisch abgeriegelt nur jeweils drei Dinge beherbergen. Einen Astronauten, tiefschwarze Dunkelheit und Totenstille. Ein grünes Blinken zog Mike aus seinen Gedanken. Die Kälteschlafkammer war im Begriff sich wieder zu öffnen und den Test damit abzuschließen. Mit einem zischenden Geräusch hob sich die Front hoch und Mike erkannte seine drei Crewmitglieder, wie sie um die Testkammer herum standen und ihn erwartungsvoll ansahen. „Es stimmt nicht“, sagte er dann und erntete verwunderte Blicke. „Was? Was stimmt nicht? Was meinst du?“ Lee war die Erste, die bei ihm stand und ihn mit ihren Fragen löcherte. „Sauerstoff. Da ist gar kein Sauerstoff.“ „Was? Das kann nicht sein. Sie waren eine Stunde in der Testkammer. Ohne Sauerstoff hätte es eine Alarmmeldung gegeben. Sie irren sich.“ Der Ingenieur rannte zur Kontrolleinheit der Kälteschlafkammer, zog ein Messgerät aus seinem weißen Kittel, um die Testwerte auszulesen. „Nein“, Mike musste seine Gedanken sortieren. „Es war anzunehmen, dass die Kammern bei den Testläufen Fehlfunktionen aufweisen“, kommentierte Alia arrogant, während Arthur dem Ingenieur über die Schulter sah. Einen Moment später antwortete er: „Die Kammer funktioniert einwandfrei. Mike muss sich geirrt haben.“ „Nicht die Kammer“, murmelte dieser und schüttelte dabei den Kopf, als könnte er seine Gedanken dadurch ordnen. „Das Paradoxon.“ „Das Paradoxon?“ Lee sah ihn neugierig an. „Was meinst du damit?“ „Ich … bäh, was ist das für ein Geschmack?“ Der Ingenieur steckte sein Messinstrument wieder ein und legte Mike dann eine Hand auf die Schulter. „Das kann und wird vorkommen. Wenn Sie nach fünf Jahren aufwachen, werden Sie einen schrecklichen Geschmack im Mund haben und Ihnen werden die Muskeln die erste Zeit versagen. Möglicherweise werden Sie mit schwachen bis mittelschweren Kreislaufproblemen zu kämpfen haben, mit Übelkeit und Schwindel. Der Körper reagiert damit auf die Kältestasis. Der menschliche Organismus wird die Schlafphase zwar insgesamt gut verkraften, aber auf seine Weise mit einem Abwehrmechanismus reagieren. Richten Sie sich also bitte darauf ein, dass Sie während der Aufweckphase zunächst Ihren Körper unter Kontrolle bekommen müssen.“ Er nahm die Hand wieder von Mikes Schulter. „Was meinst du denn mit diesem Paradoxon, Mike?“ Diesmal fragte Arthur. Mike sah ihn und dann die anderen an. „Es war ein Gedanke, der sich festgesetzt hatte. Das Paradoxon. Das dunkle All, das Schiff voller Sauerstoff und dann diese dunkle Kälteschlafkammer. Aber es stimmt ja gar nicht. Das Schiff ist während der Stasis gar nicht mit Sauerstoff gefüllt.“ „Nein, ist es nicht“, stimmte der Ingenieur zu. „Das wäre sinnlos. Der Sauerstoffgehalt würde sich über die fünf Jahre verflüchtigen. Die Sauerstoffaggregate sind das wichtigste Gut, dass Sie auf dieser Mission bei sich führen. Sie sollten gut auf die Geräte aufpassen.“ Ein Mann näherte sich der Gruppe. Wie Mike einen Augenblick später feststellte, war es der WSA-Vorsitzende, Juan Hofer. Mit einem Lächeln im Gesicht, fragte er die Gruppe nach deren Fortschritten. „Es läuft. Wir hatten gerade etwas Sorge, weil Michael Barnetti den Test wohl nicht so gut überstanden hat“, meinte Lee, doch Mike winkte gleich ab. „So schlimm war es nicht. Ich war nur etwas verwirrt.“ Der Ingenieur mischte sich nochmal ein: „Das kann leicht vorkommen. Der Körper muss sich an diese Prozedur gewöhnen. Ich würde vorschlagen, dass wir alle Astronauten auch hier einem ausführlicherem Trainingsprogramm unterziehen, als ursprünglich geplant, um sie ausreichend auf die Stasis vorzubereiten.“ „Vermutlich haben Sie recht. Besprechen Sie das bitte mit dem Einsatzleiter“, erwiderte Hofer. „Gerne“, bestätigte der Ingenieur. „Dann machen wir für heute Feierabend!“, beschloss Hofer freimütig. „Ich möchte euch alle zu einem gesunden Essen einladen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir diese Mission starten.“ Die Crew war angetan von der Einladung. Mike erkannte, dass Hofers Geste bei allen ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Selbst Alia schien erfreut zu sein. Zumindest wahrte sie den Anschein. Er war sich bei Ihr nicht immer sicher, inwieweit sie ihre sonst so akkurate militärische Haltung tatsächlich mal fallen lassen konnte oder dies nur zum Schein tat. Als sich die anderen bereits auf den Weg machten, hielt Hofer Mike kurz am Ärmel fest. „Funktioniert die Kammer einwandfrei?“, wollte er wissen. „Na, Sie sind ja gut“, entgegnete Mike gespielt entrüstet, „mich das zu fragen, nachdem ich schon eine Stunde da drinnen lag. Aber ja, das Gerät funktioniert. Der Ingenieur hat es uns vorgeführt und Arthur hat sich eingehend über die Funktionsweise informiert. Ich denke, dass es funktionieren wird.“ „Sehr gut.“ Er gab Mike zu verstehen, dass auch sie sich auf den Weg machen sollten. „Im Übrigen haben wir unsere Aufbaupräparate miteinander kombiniert und sie mit etwas Aroma versehen. Zwischen Aufweckphase und Abbremsmanöver sollten sie dafür Sorge tragen, dass alle Mitglieder ihre Dosis vom ‚Kaffee‘ bekommen.“ „Kaffee?“ Hofer lächelte. „Ja! War es nicht Arthur Jones‘ Vorschlag, das so zu machen? Wir fanden es eine vortreffliche Idee. Und wenn ich es recht mitbekommen habe, dann ist Alexandra Scott ein regelrechter Kaffeejunkie.“ „Das können Sie aber laut sagen.“ „Also, dann nehmen Sie es als eine Ihrer ersten Aufgaben wahr. Die regenerative Wirkung der Präparate zeigte im Labor einen guten Verlauf.“ Mike nickte bestätigend. „Sie werden schon alle ihren ‚Kaffee‘ bekommen.“

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Fragment 10

„Er ist wendig. Er ist schnell. Er gleicht mit seinen Steuerdüsen Unebenheiten von bis zu zwanzig Metern aus und verfügt über ein derart ausgeglichenes Fahrwerk, dass es eine Freude sein wird, ihn auf dem Zielplaneten über die Landschaften zu steuern.“ Die Präsentation zeigte ein Fahrzeug, dass über Felder, Flüsse und Hügel manövrierte. Die Landschaft war ausgesprochen einladend, nur der Himmel war mit seiner eher gelblichen Farbe etwas gewöhnungsbedürftig. „Dazu ist er mit allem ausgerüstet, was das Forscherherz begehrt. Die neuste Sensorik, ein mobiles Labor zur sofortigen Analyse von Bodenproben. Infrarot- und Wärmebildkameras, Seismographen und vieles mehr. Dieser Prototyp wurde unter den widrigsten Umständen im Versuchslabor der Babel-Werft getestet. Sein Zwilling – der Mars-Versuchs-Transporter – durchlief unzählige Testreihen, um zu gewährleisten, dass der Alpha-Centauri-Erkundungs-Transporter mit dem Besten ausgestattet ist, was wir zu bieten haben. Er wird Ihnen stets ein zuverlässiger Begleiter sein. Freuen Sie sich auf den Alpha-Centauri-Erkundungs-Transporter. Freuen Sie sich auf den ACET.“ Die Präsentation endete und das Licht wurde im Schulungsraum wieder eingeschaltet. Arthur rutsche nervös auf seinem Sitz hin und her. „Mann, ich bin echt gespannt auf dieses Fahrzeug. Zwanzig Meter soll es ausgleichen können.“ „Und die ganzen Sensoren. Das Labor. Mit dem ACET werden wir den Planeten rasend schnell erforschen können.“ Lee stimmte in Arthurs Aufregung mit ein. Doch Alia gab ihnen einen Dämpfer. „Selbstverständlich. Unabhängig davon, dass an diesem Promotionclip vermutlich mehr Menschen gearbeitet haben, als am beworbenen Fahrzeug. Das sind nicht einmal Originalaufnahmen, sondern reine Computeranimationen. Wir wissen nun, was der Transporter in der Theorie kann, jedoch sehe ich weder Auswertungen noch Nachweise über praktische Tests und Prüfungen. Wir konnten uns selbst kein Bild des Zustands und der Fähigkeiten machen, daher stelle ich die angepriesene Perfektion des ACET in Frage.“ „Mensch Alia, muss das sein?“ Lee verzog ihr Gesicht zu einem Schmollen. „Möchten Sie auch etwas zur Präsentation sagen, Herr Barnetti?“ Ausbilder Sanchez, ein langjähriger Mitarbeiter im Trainingscenter der WSA, sorgte mit der Frage für Ruhe. Mike schüttelte den Kopf. „Nein. Es war eine großartige Präsentation.“ Dann fügte er aber doch einen Satz hinzu. „Aber es wäre wünschenswert, dass wir den ACET selbst testen könnten, um seine Funktionsweise kennen zu lernen.“ „Das wird bedauerlicherweise warten müssen“, erwiderte Sanchez. „Solange wir uns auf der Erde befinden und der ACET auf Babel, wird es keine Gelegenheit dazu geben. Doch die Präsentation soll Ihnen einen Eindruck vermitteln, welche Mühe und finanziellen Mittel die WSA in diese Mission investiert hat. Lesen Sie das Benutzerhandbuch ausführlich. Es wird Ihnen ein Leitfaden sein.“ „Aber wenn es nur auf Babel montiert und dann auf das Schiff gebracht wird, dann wird das Gefährt wohl nicht einmal drei Kilometer auf der Uhr haben.“ „Es werden schon etwa zwanzig sein, Herr Barnetti“, erwiderte Sanchez. „Die Labortests sind extrem gründlich und genaustens dokumentiert.“ „Na, jedenfalls kann ich es kaum erwarten, den ACET das erste Mal zu starten.“ Arthurs Begeisterung kannte keine Zweifel und so sah er auch nicht, wie Alia ihre Augen verdrehte.

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Fragment 8

Fragment 08 – Im Wassertank

Der Schwenkarm bewegte sich langsam. Mike sah, wie Arthur damit kämpfte, die Bewegungen im Wassertank zu koordinieren. Es war für alle ungewohnt, in einem Becken voller Wasser die Schwerelosigkeit im Weltall zu simulieren und sich innerhalb der Raumanzüge auf die verfälschten Aktivitäten einzustellen. Das betraf sowohl die eigenen, als auch jene Bewegungen der Werkzeuge.
Als Arthur vorhin wütend die Mensa verlassen hatte, ging Mike danach nochmal zu ihm, um das Thema aus der Welt zu schaffen. Ihn Arjay zu nennen war sicher nicht die beste Entscheidung gewesen, aber letztlich hatten sie sich alle darauf geeinigt, sich mit ihren Spitznamen anzureden. Mike, Lee, sogar Alia und … Arthur blieb Arthur. Wohl auch, weil es den anderen eher albern vorkam, ihn, wie er es selbst manchmal scherzhaft tat, „King Arthur“ zu nennen.
Alia hingegen hatte große Schwierigkeiten damit, sich mit den Spitznamen anzufreunden. Umso angenehmer empfand es Mike, dass sie ihre abweisende Haltung etwas lockerte und den Anderen erlaubte, sie „Alia“ zu nennen.
„Pass auf, Arthur! Der Arm kracht gleich gegen das Modul und dann müssen wir von vorne…“
Zu spät. Es war schwer, die Aktivität einzuschätzen, und das Wasser erhöhte den Schwierigkeitsgrad enorm. Was selten bedacht wurde, war die Tatsache, dass die Mobilität zwar ähnlich langsam wie in der Schwerelosigkeit war, aber sobald sich etwas erst einmal in Bewegung gesetzt hatte, sorgte die Wellenbewegung des Wassers dafür, dass jede Aktivität schwieriger abzubremsen war.
„Verdammt nochmal!“, hörte er Arthur durch den Funk im Helm. „Dieser Schwenkarm macht nicht das, was er soll.“
„Für einen Astroingenieur stellst du dich extrem ungeschickt an, Jones.“ Das war Alia, die auf der anderen Seite des Beckens ebenfalls im Raumanzug unter Wasser wartete, bis sie an der Reihe war. Der Captain hatte es perfektioniert, die Leute zu sticheln und zu triezen.
„Alia“, warf Mike jetzt ein. „Lass es gut sein. Wir versuchen das Ganze nochmal. Es wird schon noch klappen.“
Lee stimmte mit ein. „Das denke ich auch. Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir das Ganze immer und immer wieder üben. Solange bis es funktioniert.“
„Natürlich. Ihr müsst das auf jeden Fall noch einige Male üben.“
Irrte sich Mike, oder hatte Alia das Wort „Ihr“ auffallend betont? Es war vermutlich besser, nicht weiter darauf einzugehen.
„Also los, alles auf Null. Wir versuchen es nochmal“, rief er stattdessen alle wieder zur Aufmerksamkeit auf. „Schwenkarm auf Ausgangsposition, Modul 3 bereitstellen.“ Die Luft in seinem Helm roch verbraucht. Aber das kümmerte ihn in diesem Moment nicht. „Einen Durchgang noch, dann werten wir diese Übung aus und beenden das Training für heute.“
„Einverstanden“, antworteten Lee, Alia und Arthur einstimmig.

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