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Fragment 31 – Staffelfinale

Letzte Planungen „Wir haben jetzt wirklich alles vorbereitet“, erklärte Mike, als er in das Büro von Juan Hofer trat. Der WSA Vorsitzende hatte ihn zu einem letzten Planungsgespräch für dieses Jahr gebeten, um die Konferenz mit Teilnehmern der Erdregierungen, des Mars und der Union freier Planeten im kommenden Jahr abzustimmen. „Das Kongresszentrum in Genf hat den Termin bestätigt, die Zimmerreservierungen sind getätigt und auch die Security ist im Bilde. Es kann nichts mehr schief gehen.“ Hofer drehte sich in seinem Sessel, um Mike Barnetti in die Augen zu sehen. „Das mag sein, aber wir haben jetzt erst Dezember. Bis zum März vergeht noch eine ganze Weile und ehrlich gesagt bin ich etwas nervös. Die letzten Ausschusssitzungen waren eher zermürbend. Ewig lange Debatten, bürokratische Untersuchungen und zu allem Überfluss auch noch die permanenten Auseinandersetzungen der einzelnen Regierungsvertreter.“ „Politik ist halt eben nur was für ganz Hartgesottene.“ Mike wollte einen Scherz an-bringen, musste aber schnell einsehen, dass die Bemerkung nicht gut ankam. „Ist die Teilnehmerliste auch soweit bestätigt? Haben sich noch welche nachgemeldet?“, überging Hofer Mikes Ausrutscher. „Ja, Miss Chan Bao Ming aus den Sekretariat hatte noch eine Nachmeldung: Doktor Summer von Babel. Er wird die wissenschaftliche Delegation ergänzen.“ „Sehr gut. Doktor Summer ist ein guter Mann. Sehr strukturiert und ergebnisorientiert. Ich wünschte, es wären mehr Leute wie er dabei.“ Mike wusste dazu nichts zu sagen und entschied sich dafür, lieber zu schweigen. „Das wird eine ganz schön heikle Konferenz werden, das ist ihnen doch sicher klar, Mike?“ „Ja. Alleine schon der Teil, der sich um die Konzessionen dreht. Es ist verständlich, dass die Union uns nicht nur aus Nächstenliebe unterstützt, aber das wird einigen Teilnehmern sicher sauer aufstoßen.“ „Ganz sicher, aber das soll nicht unsere Sorge sein. Wir sind nur der Veranstalter. Die meisten Themen werden in erster Linie von Politikern geführt und entschieden. Letztlich ist die WSA hauptsächlich in der Rolle des Botschafters für ein friedliches Miteinander tätig. Das bedeutet für uns, immer schön lächeln und alle dazu zu ermuntern, sich gern zu haben.“ „Das wird sicher nicht bei jedem Teilnehmer leicht“, entgegnete Mike. Hofer bestätigte. „Das ist wohl wahr. Die Eröffnung ist nochmal wann genau?“ „Um 10.00 Uhr am 12.03.2244. Der Tag des intergalaktischen Friedens.“ „Weil hoffentlich alle dieses Papier unterschreiben werden“, meinte Hofer. „Werden Sie eigentlich am Vorabend den kleinen Empfang mitmachen und direkt im Kongresszentrum übernachten?“ „Das weiß ich noch nicht genau. Wahrscheinlich ja, aber es könnte sein, dass ich mich noch auf meine Rede vorbereiten möchte. Dann würde ich doch eher in meiner Genfer Wohnung bleiben.“ Hofer sah ihn mit einem undefinierbaren Blick an. Mike meinte, dass sich die Augen des Vorsitzenden leicht verengten. „Überlegen Sie sich das gut, mein Freund. Als einer der Helden der Voyager Mission ist es wünschenswert, wenn sie unsere Gäste stets begleiten würden.“ „Ja, bestimmt. Ich nehme auch an, dass ich die ganze Zeit da sein werde. Aber man kann ja nie wissen, was in drei, fast vier Monaten passiert.“ „Da gebe ich Ihnen Recht.“ Hofer erhob sich aus seinem Sessel und reichte Mike die Hand. „So wie es aussieht, haben wir erstmal alles geplant. Dann bleibt mir jetzt nur noch, Ihnen ein frohes Weihnachtsfest zu wünschen. Anfang nächsten Jahres werden wir sicher noch einiges mit der Friedenskonferenz zu tun haben.“ Mike ergriff die Hand und schüttelte sie. Als er sie wieder losließ, antwortete er: „Vielen Dank. Auch Ihnen ein frohes Fest und uns ein gute Gelingen für die Konferenz.“ „Der 12.03.2244 wird in die Geschichte eingehen.“ „Ja, ganz bestimmt. Frohes Fest!“ „Frohes Fest, nochmal.“ Damit verließ Mike das Büro und freute sich auf ein paar angenehme freie Tage. Die Zeit bis zum März würde sicher sehr schnell vergehen.

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Fragment 16

Die Chance

„Don, das kann doch nicht dein Ernst sein!“, schrie Maggie aufgebracht. „Wie stellst du dir das eigentlich vor?“ Das Gesicht seiner Frau war feuerrot und sie hatte Tränen vor Wut in ihren blauen Augen.
„Maggie, bitte jetzt beruhige dich erst mal.“ Er hatte gedacht sie wäre über die Nachricht, vom Mars wegzukommen, begeistert. Seit sie vor sechs Jahren geheiratet hatten, lag sie ihm in den Ohren, dass er sich auf einen anderen Posten, weg von der Erdkolonie versetzen lassen sollte. Und jetzt, nachdem er diese einmalige Chance bekommen hatte, auf Babel seine erste Kommandostelle anzutreten, schmetterte sie ihm Vorwürfe an den Kopf.
„Mich beruhigen? Don, kannst du mir mal sagen, wie das funktionieren soll? Die haben da noch nicht einmal eine schulische Einrichtung. Da gibt es nur Bauarbeiter und vielleicht ein paar Militärangehörige. Dort willst du Liza aufwachsen lassen? Zwischen Dockarbeitern auf einer Baustelle?“, schrie sie ihn wieder an. „Soll ich den ganzen Tag in einem kleinen Kabuff sitzen und dann darauf warten, dass der Commander irgendwann nach Hause kommt und ich ihm dann das Abendessen auftischen darf?“
„Wenn du mich mal ausreden lassen würdest, könnte ich es dir sagen, verdammt!“, gab er aggressiv zurück. Er verstand ja durchaus, dass es nicht das war, was sich seine Frau vorgestellt hatte, aber es war ein Anfang. „Hör zu …“, fuhr er gemäßigter fort. „Ja, du hast recht, die Station befindet sich noch im Ausbau. Die neue Werft wird um einiges größer als die bisherige. Das dauert sicher noch etwas, aber in drei Monaten schickt die WSA schon die ersten Wissenschaftler hoch. Die bringen auch alle ihre Familien mit, immerhin ist es als 10-Jahres-Projekt angelegt. Die Schiffswerften sind Babel angegliedert. Es wird eine richtige Stadt im Weltall. Man plant eine schulische Einrichtung und genauso werden sie auch noch die Krankenstation fertigstellen. Wir bekommen hier eine ganz große Chance.“ Don drehte sich zu seiner Frau um und nahm sie bei den Schultern, bevor sie etwas erwidern konnte. „Und die WSA sucht immer noch ziviles Personal für die Station. Sie können sicher dort jemanden mit deinen Fähigkeiten gebrauchen, Liebling.“
„Mach dich nicht lächerlich, Don. Meinst du, die WSA hat nicht genug eigene Leute, die eine Quartierlogistik durchführen können? Du weißt genau, dass es so gut wie unmöglich ist, dass ich den Job bekomme. Die WSA stellt keine Marsianer ein.“ Etwas ungeschickt befreite sie sich aus Dons Griff. „Sie haben dir die Versetzung nur angeboten, weil es sonst niemand machen will. Es ist jeden Tag in den Nachrichten, dass nichts auf Babel funktioniert und alles viel mehr Geld kostet, als sie ursprünglich geplant hatten. Die wollen dich nur abschieben.“ Maggie hatte in den Kommentaren der Nachrichten gehört, dass man einen Kommandanten vom Mars einsetzen würde. Dass aber ausgerechnet ihr Mann diese Totgeburt zum Leben erwecken sollte – die dazu Unsummen verschlang, die auf dem Mars an allen Ecken und Enden fehlten – war für sie unbegreiflich.
„Das haben sie vor fünfzig Jahren auch über den Mars gesagt.“ Donald verstand seine Frau nicht. Erkannte sie nicht, welche Möglichkeiten sie mit dieser Versetzung geboten bekamen? Sie könnten endlich vom Mars weg und nach ein paar Jahren Dienst auf der Station war es sicher kein Problem, eine Stabsstelle auf der Erde zu erhalten. Es würde nur ein paar Jahre dauern. „Und außerdem habe ich mich dafür ausgesprochen, dass Charlie einen Job dort bekommt. Bitte Margret, schlaf wenigstens eine Nacht darüber.“
„Nein! Ich werde dich nicht auf diesen Schrotthaufen im Weltall begleiten und zusehen, wie unsere Tochter deswegen schlechtere Chancen im Leben erhält, als sie bereits jetzt hat.“ Maggie schnappte sich ihre Tasche. „Und schon gar nicht, wenn du diesen Junkie mit im Schlepptau hast.“ Sie schien etwas in ihrer Handtasche zu suchen und funkelte ihn erbost an.
Als Don ansetzte, Charles zu verteidigen, hob seine Frau abwehrend die Hände. „Nicht wieder die alte Leier. Ich weiß, dass er zur Zeit clean ist. Aber für wie lange? Würdest du ihm Lizas Leben anvertrauen? Denn genau das tust du, wenn du mit uns auf diese Station gehen willst.“
„Natürlich würde ich das. Sonst hätte ich ihn nie für die Stelle des Sicherheitschefs vorgeschlagen, Maggie! Er ist ein guter Mann und er macht seinen Job.“
„Ja, aber nur, wenn er keine White-Strike-Nadel im Arm stecken hat.“ Sie kannte Charlie genauso lange, wie sie ihren Mann kannte und wusste, dass Charles Germain mehr als einmal einen Entzug hinter sich gebracht hatte. Bei zweien hatte sie ihn gemeinsam mit Donald sogar unterstützt. Oft genug hatte er beteuert, dass er nie wieder Drogen anrühren würde, aber er war immer wieder rückfällig geworden. Sie glaubte einfach nicht daran, dass er es diesmal schaffen würde.
„Ich hole Liza von der Schule ab und besuche dann meine Eltern.“ Kurz bevor sie das Quartier auf dem Militärstützpunkt inmitten der Amazonis Planitia verließ, drehte sie sich noch mal um und schaute ihren Mann an. „Es liegt an dir, Don. Wenn du meinst, die Versetzung annehmen zu müssen, dann tu es. Aber Liza und ich werden dich nicht begleiten.“
„Maggie … Warte … Lass uns darüber reden …“
Doch sie verließ das gemeinsame Quartier, ohne ein weiteres Wort.

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Fluchtgefahr

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