Seit Jahrtausenden verschüttet TCS Nachricht an Michael Barnetti. Empfangsort: Erde, Eurasien, Genf Absender: Thomas Dreyfus, Planet Mars, Cydonia Mensae. Datum: 04.07.2243. Mike mein Freund, ich habe ihn gefunden. Den Beweis, dass es früher einmal tat-sächlich Leben auf dem Mars gab. Dabei sah die Wahrscheinlichkeit dafür sehr gering aus. Und doch, ich weiß es jetzt. Unweit von hier stehen die Touristenattraktionen. Die Inkastadt und das Marsgesicht. Wie du weißt, werden sie täglich von Luftgleitern angeflogen, damit Geld in die Kassen gespült wird. Die offiziellen Stellen des Mars messen dem historischen Standort keine Bedeutung zu und so wurden sämtliche Anträge zum Schutz der Region abgeschmettert. Es sei nur eine Phantasterei und es wäre erwie-sen, dass die Gebilde einen natürlichen Ursprung hätten. Aber dem ist nicht so. Davon bin ich überzeugt. Meine Untersuchungen haben mich zur Cydonia Mensae, genauer, zum Rand der Acidalia Planitia geführt. Nach den topografischen Karten bestand eine gute Chance, dass hier einst Wasser auf Land traf. Ich habe mich hier von den alten Baumeistern der Antike leiten lassen und daran gedacht, dass beispielsweise die altägyptischen Pyramiden in Gizeh, oder auch die Pyramiden in Yucatán doch immer etwas abseits von Gewässern waren. Dafür mag es verschiedene Gründe gegeben haben, doch hat mich eine bestimmte Hypothese angetrieben. Was wäre, wenn die Inkastadt auf dem Mars eine Totenstadt wäre? Zu Ehren der alten Herrscher erbaut und als Wächter über die Gebeine das körperlose Marsgesicht. Ähnlich, wie die Sphinx über die ägyptischen Pyramiden wacht. Wenn dem so war, dann könnte man davon ausgehen, dass es auch eine Siedlung der Lebenden gab. Und erfahrungsgemäß wird oft in der Nähe von Wasser gesiedelt. Nachdem meine Suche nach Investoren erfolglos blieb, kratzte ich alles Geld zu-sammen, das ich auftreiben konnte und kaufte mir die benötigte Ausrüstung, um der Frage nachzugehen, ob es doch Leben auf dem Mars gab. Du kannst dir nicht vorstellen, wie lange ich gesucht habe und wie verdreckt meine gesamte Ausrüstung mittler-weile ist. Das erinnert mich an unsere alte Zeit auf der Uni. Kannst du dich an das Sportturnier der Universitäten erinnern? Strandrugby. Die blödeste Idee überhaupt. Aber wenigstens hat mich das Turnier irgendwie auf die Unannehmlichkeiten auf dem Mars vorbereitet. Und wir haben uns dort kennen gelernt. Schon seltsam, wie sich al-les verändert. Du bist vor einigen Jahren mit der Voyager losgeflogen und jetzt sitze ich hier auf dem Mars. Aber ich schweife ab. Was ich dir eigentlich mitteilen wollte ist, dass ich etwas ge-funden habe. Es hat mich Monate gekostet, aber nach den ersten Anzeichen der Tiefenstrukturanalyse der Oberfläche schien ich einen geeigneten Platz gefunden zu haben. Es war anstrengend und fast hätte ich die ganze Sache aufgegeben, doch letztlich hat sich meine Ausdauer bezahlt gemacht. Bei der sechsten Punktgrabung habe ich ein Artefakt gefunden. Ein versteinertes Ding. Ich kann es nicht anders be-zeichnen. Aufgrund der doch auffällig gleichmäßigen Beschaffenheit habe ich das Fundstück genauestens analysiert und bin mir sicher, dass es im Inneren etwas in sich birgt, das tatsächlich auf eine bearbeitete Struktur hinweist. Fast wäre ich ver-sucht, es als eine Art technisches Gerät zu bezeichnen, denn die in der Analyse festgestellte Beschaffenheit weist auf verschiedene Molekularstrukturen hin, die es nie-mals in der Art in der Natur gegeben haben kann. Was mich nur besonders irritiert ist die Tatsache, dass die ersten Ergebnisse darauf hindeuten, dass dieses – Ding – weit über siebentausend Jahre alt sein soll. Alleine werde ich diesem Geheimnis nie auf den Grund gehen können. Vermutlich werde ich dich aber nicht als Partner gewinnen können, oder? Falls doch, melde dich gerne bei mir. Ich habe vor, Investoren und ein paar Spezialisten aufzutreiben und eine eigene Firma zu gründen, die mit Hilfe von Fördergeldern und hoffentlich großzügigen Investitionen das historische Leben auf dem Mars erkun-den soll. Die Historical Life on Mars Corporation. Mike, das wäre was. Ich könnte dich in der HLoM Corp gut gebrauchen Ich weiß, dass du dich dafür interessierst, aber bitte, verbreite diese Informationen noch nicht. Wenn andere davon Wind bekommen, kann es schnell passieren, dass das kommerziell ausgeschlachtet wird. Ich schicke dir gerne regelmäßig Berichte, damit du auf dem Laufenden bist. Und wer weiß? Vielleicht steigst du eines Tages dann ja doch noch mit ein. Ich wünsche dir alles Gute, alter Freund und lass mal von dir hören. Der Empfang hier draußen ist zwar schlecht, aber ich werde ab und an mal meine TCS Nachrichten abrufen. Dein Freund, Thomas P.S.: Ich bin mal gespannt, ob die TerraComSystems ihr Kommunikationsmonopol auf dem Mars aufrecht erhalten können. Vielleicht entwickelt sich mal wieder ein Konkurrenzunternehmen, wie damals vor rund sechzig Jahren. Zumindest hier auf dem Mars wäre das zu begrüßen. Schlechter geht es mit den teuren TCS Verbindungen doch gar nicht.