Blindflackern Nachtschicht an Bord der Barrafranca. Im Grunde war der Begriff Nachtschicht auf einem Raumschiff im Weltall nicht korrekt, da es immer Dunkel war. Selbst die Tagesschicht wurde im Dunkeln vollführt. Doch darum ging es dem Mann nicht. Es ging darum, dass die Stationen nur mit einer kleinen Rumpfcrew besetzt waren und er sich unbemerkt an seine Aufgabe machen konnte. Vorbei an dem Taisod. Vorbei an dem obersten Investigator. Es war gefährlich, das war ihm von Anfang an klar. Doch die Nachricht musste auf den Weg gebracht werden. Er wusste, wohin er sich begeben musste. Die Kommunikationsstation kam dafür nicht in Frage. Selbst in der sogenannten Nachtschicht hatte immer ein Crewmitglied ein Auge auf die eingehenden Nachrichten und hätte einen Verbindungsaufbau sofort bemerkt. Aber in der Schaltzentrale gab es ein Notfallterminal. Eigentlich war es für Wartungszwecke gedacht. Mit ein paar Handgriffen konnte das Terminal aber kurzzeitig auch umfunktioniert werden. Er schlüpfte unbemerkt in die Schaltzentrale und machte sich daran, das Terminal umzuprogrammieren. Wichtig war, dass es bei einer Überprüfung nach einer automatischen Wartungsroutine aussah. Nicht ganz einfach, aber zu schaffen. Ein paar Programmiereingaben später war es soweit. Der gefährlichste Moment war die Aktivie-rung. Er wusste, dass die Kommunikationsstation drei kurze Blinksignale abgeben würde. Eins bei der Aktivierung, eins bei der Übertragung und ein letztes bei der Zurücksetzung des Programms. Er zögerte. Es gab keine Möglichkeit für Ihn, sicher zu gehen, dass nicht ausgerechnet in diesem Moment jemand an der Kommunikations-station war. Er zwang sich dazu, tief durch zu atmen und im Gedanken bis drei zu zählen. Eins – Es musste sein. Schließlich wurde er gut für diesen Verrat bezahlt. Zwei – Oder besser, würde gut bezahlt werden, wenn erst alles vorbei war. Drei – Er gab den letzten Befehl und die Programmierung startete. Verschlüsselte Trägerwelle, nur zu finden, wenn jemand genau danach suchen würde. Doch solange niemand Verdacht schöpfte, würde das Signal als sogenanntes „Blindflackern“ nicht einmal Erwähnung in den Kommunikationsprotokollen finden. Er durfte sich jetzt nur keinen Fehler leisten. Ein kaum wahrnehmbarer Ton signalisierte ihm, dass die Übermittlung beendet und das Verschlüsselungsprogramm erfolgreich eine gefälschte Wartungsroutine im System hinterlegt hat. „Nur ein einziges Zeichen“, murmelte er vor sich hin. „Wenn ich doch nur mehr senden könnte. So wird das ewig dauern, bis die Konföderation die Koordinaten zusammen hat.“ Das und die Tatsache, dass er mindestens einen Monat Abstand zwischen den Zeichen halten musste, zermürbten ihn innerlich. Als er sich auf Denebola III anwerben ließ, war ihm nicht klar, wie elendig langsam Spionagearbeit sein konnte. Seine Utensilien hatte er wieder eingepackt und er verließ die Schaltzentrale kurz darauf. Immer wachsam, dass ihn nur niemand entdeckte und damit seine Deckung aufflog. Auch diesmal ist wieder alles reibungslos verlaufen und er erlaubte sich ein zufriedenes Aufatmen, als er in den nächsten Gang des Schiffes einbog. „Sie? So spät noch unterwegs?“ Verdammt! Mavis hatte ihn erwischt. Warum schlief dieser Kerl nicht oder war bei Heqet Shifrin, sondern spazierte mitten in der Nacht im Schiff herum? „Ja“, stammelte er. Irgendwie musste er sich schnell herausreden. „Ich hatte plötzlich Hunger und wollte nachsehen, ob ich noch etwas in der Bordküche auftreiben kann.“ „Und? Was brauchbares gefunden?“ „Ach, das Übliche halt. Wenn man Nachts unterwegs ist, darf man nicht viel erwarten.“ Er hoffte, dass diese ungenaue Aussage ausrechte. „Da haben Sie recht. Vielleicht sehe ich da auch gleich noch vorbei. Gute Nacht!“ „Ja, viel Erfolg und gute Nacht.“ Ihre Wege trennten sich wieder und er bemühte sich, unauffällig schlendernd zurück in sein Quartier zu gelangen. Diesmal war es knapp für ihn.