„Die WSA ist eine globale, zivile Organisation“, erklärte Hofer mit Nachdruck. „Und das Programm ebenfalls.“ „Sicher Herr Vorsitzender. Nichtsdestotrotz dürfen wir den Aspekt nicht unberücksichtigt lassen, dass die Crew auf Situationen treffen könnte, die eine sofortige militärische Entscheidung verlangen.“ Der vehemente Tonfall des neu-ägyptischen Verteidigungsministers war nicht zu überhören. Hofer sah in die Gesichter der ihm zugeschalteten Staatenvertreter, die mit der WSA an dem Projekt arbeiteten oder sich finanziell daran beteiligt hatten. „Was erwarten Sie denn Mister Al-Farah? Dass Außerirdische mit einem Kriegsschiff auftauchen und die „Voyager“ kapern?“ Einige Vertreter unterdrückten ein Grinsen nur mit Mühe, doch waren sie alle klug genug, nicht in die Diskussion einzugreifen. „Nein, natürlich erwarte ich es nicht, aber …“ „Wie ich bereits mitteilte, hat das Auswahlgremium sich für Michael Barnetti als Missionskommandant ausgesprochen. Captain Scott wird jedoch mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet, um in einer Notsituation in die Kommandostruktur eingreifen zu können.“ Hofer wusste, dass es Al-Farah nicht in erster Linie darum ging, aus der Forschungsmission eine militärische Angelegenheit zu machen, obwohl er der Verteidigungsminister war. Vielmehr wollte er seine Landsfrau auf der Kommandoposition sehen. Das könnte ihn politisch enorm nach vorne katapultieren. Zudem war Scotts Mutter ebenfalls eine engagierte Politikerin. Es würde Hofer nicht überraschen, wenn sie selbst Al-Farah kontaktiert hatte, um am Ende auf dem Kommandantensessel Platz zu nehmen. „Ich verstehe.“ Al-Farah sah keineswegs danach aus. „Und ich hoffe für Sie, dass das Gremium und Sie die richtige Entscheidung getroffen haben.“ Der Minister konnte es nicht dabei belassen und setzte diese unterschwellige Drohung nach. Gerade jetzt erinnerte Rashid Al-Farah ihn sehr an Scott, die auch kaum eine Gelegenheit ausließ, um ihre Kameraden zu kritisieren. Er überlegte, ob dies ein typografisch geprägter Charakterzug oder ob diese beiden Individuen rundweg narzisstisch veranlagt waren. Dies war einer der Hauptgründe für die Entscheidung zu Gunsten Barnettis gewesen. Er war ein Teamplayer und verfügte gleichzeitig über genug Autorität, um die Mannschaft führen zu können. Scott hingegen fehlte das nötige Verständnis für die moralischen Belange der Crew. Zwar hatte ihr Sozialverhalten in den letzten Monaten einen für die Mission akzeptablen Zustand erreicht, dennoch würde er ihr nicht ruhigen Gewissens das Kommando geben können. Militär hin oder her. „Das freut mich, Herr Verteidigungsminister“, beendete Hofer die Diskussion, ohne auf die vorhergehende Drohgebärde einzugehen. Selbst wenn Al-Farah nicht aufgegeben hätte, war die Entscheidung so gut wie unumstößlich. Bestände der heute hier tagende Ausschuss auf ein Militärkommando, wäre Scott trotz ihrer Fähigkeiten aus dem Programm genommen worden, um einen passenderen Kandidaten zu etablieren. Im Anbetracht der kurzen Zeit, die noch verblieb, wäre ein solches Unterfangen jedoch äußerst riskant gewesen. Selbst mit der Ersatzcrew. Das musste nach Hofers Einschätzung auch Al-Farah klar sein. „Nach dem Ende der Sitzung werden wir die Mannschaft über die Entscheidung informieren. Die für die Öffentlichkeit bestimmte Pressekonferenz findet Ende dieser Woche statt. Dann werden wir der Welt die Crew, ihre Ersatzleute und auch das Schiff präsentieren.“ Hofer drückte einige Felder auf seinem ComTerm und die Teilnehmer erhielten eine vorläufige Tagesordnung für die Konferenz. Hofer würde sich einen Brandy genehmigen, nachdem er Barnetti beglückwünscht und Scott beruhigt hatte. „Herr Hofer, ich habe noch eine Frage zum Zeitablauf ...“ Sofern er heute noch aus dieser Konferenz kommen würde.