Interview – 24.02.2233

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Auszug aus der „International Space Assoziation“  – 24.02.2233

Die International Space Assoziation führte mit Michael Barnetti, dem gerade ernannten Missions-Commander der Voyager ein exklusives Gespräch über die geplante Reise nach Alpha Centauri.

ISA: Commander Barnetti, erst einmal vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview nehmen. In wenigen Tagen werden Sie und Ihre Crew nach Alpha Centauri aufbrechen. Sind Sie gut vorbereitet? Und eventuell auch ein bisschen aufgeregt?
MB: Die World Space Administration hat hier sehr gute Arbeit geleistet und uns auf alles nur Denkbare vorbereitet.
Die Voyager ist ein hervorragendes Schiff und zu Recht der Stolz der WSA. Unsere Crew wurde intensiv an allen Stationen ausgebildet. Wir alle wissen was uns erwartet, wenn wir nach Alpha Centauri aufbrechen. Also von daher kann ich nur sagen, dass wir wirklich gut vorbereitet sind.
Aber natürlich schwingt auch ein wenig Nervosität mit. Bei mir auf jeden Fall und den Anderen wird es sicher ähnlich gehen. Das hier ist echte Pionierarbeit und ich bin tatsächlich aufgeregt. Wir können uns mit dieser Mission durchaus mit Armstrong auf dem Mond oder Sheridan auf dem Mars vergleichen.

ISA: Sie und Ihr Team trainieren diese Mission seit fast zwei Jahren. Wie kommen Sie und die anderen Crewmitglieder miteinander klar? Verbringen Sie auch Ihre Freizeit miteinander?
MB: Jeder von uns hat so seine eigenen Interessen und es ist wichtig, dass man seinen Freiraum bekommt. Aber ja, wir verbringen auch eine Menge Freizeit miteinander. Das gehört auch zum Training, wenn man so will. Wenn wir nachher unterwegs sind, muss auch die Freizeit miteinander funktionieren.

ISA: Die Voyager ist als relativ großes Schiff konstruiert, aber bietet kaum Platz für Freizeiteinrichtungen. Wie werden Sie die freie Zeit verbringen? Werden Sie auch kochen? Immerhin soll das Schiff ja eine sehr große Kombüse haben (der Reporter lacht).
Und welcher Tätigkeit gehen Sie außerdem neben Ihrer Kommandofunktion nach?
MB: Da die Mission mit Hin- und Rückflug auf gut zehn Jahre angelegt ist, werden wir vor allem viel Instantnahrung mitführen. Kochen im herkömmlichen Sinne werden wir leider nicht können. Aber es wird einiges geben, das wir uns zubereiten können, um den heimischen Gewohnheiten zu entsprechen. Aus ein paar der Instantnahrungsmitteln werde ich versuchen, leckere Spaghetti Carbonara zu machen. Ich bin selbst gespannt, ob das klappen wird.
Was meine weiteren Tätigkeiten angeht, so werde ich beispielsweise auch darauf achten müssen, dass alle nach der langen Schlafphase mit genügend Nähr- und Mineralstoffen versorgt werden, die ihnen aufgrund des Kälteschlafs nicht ausreichend zugeführt werden konnten. Es gibt eine Menge Aufgaben, die erledigt werden müssen, doch sehe ich das weniger als Pflicht an. Für mich gehört so etwas einfach dazu. Wenn man auf so engem Raum zusammengepfercht ist, muss jeder auch auf die Anderen achten.

ISA: Sie haben uns eben gesagt, dass die Crew während der Stasis nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Wieso steckt die World Space Administration die Crew in nicht ausreichend funktionsfähige Stasiskammern? Und rechnen Sie mit schwerwiegenden körperlichen Einschränkungen dadurch? (–> Anmerkung der Redaktion …Diese Frage wurde nicht mit der WSA abgesprochen)
MB: Es mag im ersten Moment so scheinen, als hätten Sie hier einen wunden Punkt getroffen, aber dem ist nicht so. Die Stasiskammern funktionieren einwandfrei. Aber wie eben erklärt, dauert die gesamte Reise gut zehn Jahre. Fünf hin und weitere fünf zurück. Eine solche Anforderung wurde noch nie an Geräte dieser Art gestellt. An Menschen im Übrigen auch nicht.
Bedenken Sie, dass einerseits der Metabolismus eines Körpers auf ein Minimum reduziert werden muss, gleichzeitig aber die Vitalfunktionen soweit zu erhalten und zu kontrollieren sind, dass ein Aufwachen nach dieser langen Periode ohne bleibende Schäden möglich ist. Dazu gehört dann auch die langsame Zufuhr der lebensnotwendigen Nähr- und Mineralstoffe durch ein ausgeklügeltes Versorgungssystem und einer biotechnischen Recyclematrix.
Es ist ganz natürlich, dass der Körper nach der Aufwachphase mit gezielten Präparaten wieder fit gemacht werden muss.

ISA: Das bedeutet, dass die Crew ausreichend über den Reisezeitraum versorgt ist, nur eine längere Aufwachphase benötigt? Haben Sie diese Phase überhaupt ansatzweise trainieren können?
MB: So gut es eben geht, ja. Das ganze Trainingsprogramm ist auf den erfolgreichen Ausgang der Mission ausgerichtet. Wir sind zuversichtlich, dass Alpha Centauri ein historischer Erfolg wird.

ISA: Sie sind von der WSA als Commander der Mission benannt worden. Haben Sie damit gerechnet und haben es die anderen Crewmitglieder ebenfalls positiv aufgenommen?
MB: Nun, die Mission ist ja in erster Linie eine Forschungsreise. Das Kommando sollte also von vornherein in zivile Hände gelegt werden. Allerdings gibt es eine Klausel, nach der das Kommando auch wechseln kann, sollte eine militärische Entscheidung anstehen. Allerdings ist das eher unwahrscheinlich. Doch für den Fall einer Alieninvasion sind wir zumindest der Regelung nach gut gerüstet (lacht).
Dass ich das Kommando innehabe, dürfte im Sinne aller Beteiligten sein. Tatsächlich klingt das aber viel wichtiger, als es ist. Im Endeffekt fallen mir damit nur ein paar Aufgaben mehr zu, um welche sich die anderen eben nicht kümmern brauchen.

ISA: Was denken Sie wird Sie am Ziel Ihrer Reise erwarten?
MB: Ein neuer Planet, der uns über Jahre viele Einblicke in die Geschichte des Weltraums bietet. Atemberaubende Flora und Fauna und dazu natürlich noch eine ganze Menge Arbeit. Schließlich soll ja auch noch eine Station gebaut werden.
Der Planet Proxima Centauri b wird ein Sprungbrett zu neuen Welten für die Menschheit werden.

ISA: Kommen wir auf die von Ihnen erwähnte Station zu sprechen. Wie sehen hier die Pläne zum Bau der Raumstation aus? Ist Babel der Prototyp oder wird es sich um ein gänzlich anderes Konstrukt handeln? Führen Sie bereits die ersten Bauteile auf Ihrer Reise mit?
MB: Tatsächlich orientiert sich die WSA hier an der alten internationalen Raumstation ISS. Das bedeutet, dass zuerst ein kleines, unscheinbares Modul in der Umlaufbahn um Proxima Centauri b abgesetzt wird, das wir mit uns führen. Allerdings ist dieses Modul noch nicht für uns gedacht. Es enthält wenig mehr als Werkzeuge und kleine Bauteile, die für weitere Module wichtig sein werden. Modul 1 wird abgesetzt, wenn wir uns auf die Rückreise begeben.
Erst nach dem dritten Anflug ergeben die einzelnen Module eine erste Raumstation, die den Namen dann auch verdient hat. Im Laufe der Jahre soll die Station dann erweitert werden. Theoretisch ist tatsächlich etwas in der Art wie Babel vorstellbar, auch wenn die Centauri Station eine ganz andere Bauweise haben wird.

ISA: Nach den Plänen der World Space Administration wird die Voyager etwa in elf Jahren auf der Erde zurückerwartet. Wie wird es dann für Sie weitergehen? Was sind Ihre Pläne nach der Rückkehr?
MB: Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Zunächst werden unsere Aufzeichnungen sicher viele Fragen aufwerfen oder manche sogar klären. Unsere Eindrücke und Erfahrungen werden ganz sicher wichtig für weitere Missionen sein. Ob wir dann vielleicht beratende Funktionen übernehmen oder womöglich nochmal nach Alpha Centauri fliegen können, steht wortwörtlich in den Sternen.

ISA: Vielen Dank für das Interview, Commander Barnetti. Dann bleibt mir nur noch Ihnen und Ihrer Crew ein gutes Gelingen für die vor Ihnen liegende Mission zu wünschen.
MB: Gern geschehen und auch Ihnen vielen Dank für das angenehme Interview.

Letztes Update: Oktober 27, 2019

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