Interview – 18.03.2233

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Interview-Dokument // Genf, 18.03.2233

Leandra Thuis, Navigatorin an Bord der Voyager auf der Reise in das nächste Sternensystem, hat sich mit unserer Redakteurin Walentina Williams für SciLOGs Professional im Trainingscenter der World Space Administration in Genf für ein Interview getroffen.

SciLOG: Miss Thuis, wir möchten Sie gerne ins Rampenlicht holen und Ihnen ein paar Fragen zur bevorstehenden Mission der Voyager stellen. Würden Sie sich bitte kurz vorstellen und uns Ihre Position an Bord des Schiffes erläutern?
LT: Ja, gerne! Mein Name ist Leandra Thuis und ich werde hauptsächlich für die Navigation der Voyager zuständig sein. Und sollte das Schiff mal nicht gelenkt werden müssen oder der Autopilot meinen Job übernehmen, dann werde ich diverse Experimente für Weltraumtelemetrie und Laservermessungen durchführen.

SciLOG: Das klingt interessant. Um was für Experimente wird es dabei gehen? Erhofft sich die WSA nur neue Erkenntnisse, oder vielleicht sogar einen weitreichenden Nutzen?
LT: Es geht hauptsächlich darum, den dreidimensionalen Vektorraum im Weltall so zu bemessen, dass diese Berechnungen schneller in unsere Navigationssoftware übernommen werden können. Zurzeit benötigt die Software noch sehr viel Rechenleistung. Gerade bei plötzlich auftauchenden oder zu vielen Hindernissen, wie einem Astroidenfeld, kann das zum Problem werden.
Die Erkenntnisse, die wir anhand dieses Projekts finden, können wir auf der Erde in nahezu alle Transportmittel integrieren. Stellen Sie sich das mal vor. Fluggleiter, die ohne Schwierigkeiten autonom fliegen können, weil der Raum entsprechend berechnet werden kann. Wäre das nicht großartig?!?

SciLOG: Sie meinen so etwas, wie die Versuche damals mit den elektronischen Bodenfahrzeugen, den Autos? Die dann per Satellitensteuerung und GPS Navigation zum Ziel gekommen sind? Bislang gilt dies bei Gleitern ja als unmöglich, da es zu viele Unwägbarkeiten gibt, die im Massenverkehr gar nicht berechenbar sind. Das wäre in der Tat eine sehr nützliche Forschungsarbeit. Hat hier etwa schon einer der Transportkonzerne Interesse angemeldet?
LT: Ja, genau. Im Prinzip ist es eine sehr fortschrittliche Weiterentwicklung des Global Positioning Systems, ein Interstellar Positioning System.
Aber leider kann ich Ihnen nicht sagen, ob es hier schon Interessenten gibt. Ich forsche an diesem Projekt, verkaufe es aber nicht.

SciLOG: Lassen Sie uns kurz auf Ihre Heimat zu sprechen kommen. Buenos Aires. Eigentlich nicht für Raumfahrtmissionen bekannt. Wie kommt es, dass Sie an diesem Programm teilnehmen können?
LT: Ja, meine Heimatstadt ist im eigentlichen Sinn keine klassische Weltraumstadt, aber das sind die Heimatstädte der anderen Crewmitglieder ja auch nicht.
Ich muss aber auch gestehen, dass ich bereits seit mehr als zehn Jahren in der amerikanischen Union lebe und am MIT forsche. Von dort aus habe ich mich für die Mission beworben.

SciLOG: Also haben Sie dann doch eher die bestehenden Strukturen genutzt. War es für Sie schwierig, sich den nordamerikanischen Gepflogenheiten anzupassen? Ich kann mir vorstellen, dass es kulturell doch so einige Unterschiede gibt.
LT: Ich bin als Studentin in die Union übergesiedelt, da ist es mir sehr leicht gefallen, mich an die minimalen Unterschiede zu gewöhnen. Die Universität von Buenos Aires ist von den Forschungseinrichtungen und finanziellen Möglichkeiten sogar um einiges besser aufgestellt, als das MIT, doch wollte ich auch mehrere Semester im Ausland studieren und bin quasi dort hängengeblieben.

SciLOG:  Hängengeblieben? Wobei genau?
LT: Zuerst im Studium und dann konnte ich direkt in ein neues Forschungsprojekt einsteigen. Ich gebe zu, neben der harten Arbeit war auch immer ein kleines Quäntchen Glück mit dabei. Genauso verhält es sich bei der Teilnahme an dieser Mission.

SciLOG: Worauf freuen Sie sich bei dieser Mission am meisten?
LT: Oh, da gibt es so unglaublich viel! Abgesehen von der Reise an sich, welche schon wahnsinnig aufregend ist, freue ich mich sehr auf die Forschungsarbeit. Und natürlich auf die kleinen Abenteuer, die sicher auf uns als Crew zukommen. Ich kann es gar nicht abwarten, bis der ACET das erste Mal über die Planetenoberfläche rollt. Das wird großartig!

SciLOG: Können Sie uns etwas mehr Informationen geben? Der ACET? Worum handelt es sich dabei?
LT: Oh, entschuldigen Sie bitte. Wir nutzen so viele interne Bezeichnungen und Abkürzungen, dass ich gar nicht mehr daran denke, dass jemand diese Begrifflichkeiten nicht kennen könnte.
Der ACET oder auch Alpha-Centauri-Erkundungs-Transporter wird unser Fahrzeug sein, wenn wir die Planetenoberfläche erforschen. Dazu ist er mit allem ausgerüstet, was unser Forscherherz begehrt. Die neueste Sensorik, ein mobiles kleines Labor, Infrarot- und Wärmebildkameras, Seismografen und noch vieles mehr. Und natürlich bietet er für bis zu vier Personen Platz. Nur für den Fall, dass wir alle mit auf Entdeckungstour gehen wollen.

SciLOG: Ist das denn vorgesehen, dass die gesamte Crew den Planeten besucht?
LT: Also, wenn ich ehrlich bin, kann ich Ihnen das nicht beantworten, da können Ihnen Commander Barnetti oder Captain Scott besser Auskunft geben.
Was ich Ihnen aber sagen kann ist, dass wir uns erst einmal mit den vorhandenen Örtlichkeiten auseinandersetzen müssen. Die ersten Außenmissionen sind zunächst mit einem oder zwei Crewmitgliedern geplant. Nach einigen Grundlagenexperimenten wollen wir ein kleines Basiscamp auf der Planetenoberfläche installieren. Und wenn das steht, werden wir weitersehen.

SciLOG: Dann möchte ich mich nun vielmals für das Interview bedanken und mich mit einer letzten Frage verabschieden.
Was glauben Sie, werden Sie machen, wenn Sie zur Erde zurückgekehrt sind?
LT: Oh, Sie fragen ja Sachen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir darüber überhaupt noch keine Gedanken gemacht. Vermutlich werde ich zuallererst meine Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen besuchen. Vielleicht mache ich auch ein paar Wochen Urlaub. Und natürlich möchte die World Space Administration Auswertungen, genaue Berichte und weiterführende Experimente haben beziehungsweise in Erfahrung bringen oder planen. Abgesehen von den Möglichkeiten, die mir gerade überhaupt nicht einfallen.

SciLOG: Ich möchte Ihnen auch sehr herzlich für das nette Gespräch danken. Vielleicht sehen wir uns ja in zehn Jahren wieder.

Letztes Update: Oktober 14, 2019

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